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Nationale Berichterstattung Pflanzenschutzmittelrückstände in Lebensmitteln 2008


Zusammenfassung der Ergebnisse des Jahres 2008 aus der Bundesrepublik Deutschland

Hintergrund

Dieser Bericht fasst die Ergebnisse von Untersuchungen zusammen, die im Jahr 2008 an Lebensmitteln tierischen Ursprungs, an frischem und gefrorenem Obst und an Gemüse, an Getreide und an Kleinkindernahrung durchgeführt wurden. Eingeschlossen sind auch die Ergebnisse des auf die Richtlinien 86/362/EWG und 90/642/EWG gestützten koordinierten Überwachungsprogramms der Europäischen Gemeinschaft für die Einhaltung der Höchstgehalte von Pestizidrückständen in oder auf Getreide und bestimmten anderen Erzeugnissen pflanzlichen Ursprungs. Die Ergebnisse der koordinierten Überwachungsprogramme sollen die Abschätzung der Pestizidexposition der Bevölkerung in der Europäischen Union durch Aufnahme über die Nahrung ermöglichen. Die Lebensmittel und Wirkstoffe, die im Rahmen dieses koordinierten Programms untersucht werden sollten, wurden in der Empfehlung 2008/103/EG der Kommission vom 4. Februar 2008 bekannt gegeben.

Für diesen Bericht wurden alle Daten aus dem Beprobungszeitraum vom 01.01.2008 bis 31.12.2008 berücksichtigt, die von den Untersuchungseinrichtungen der amtlichen Lebensmittel- und Veterinärüberwachung der 16 Länder an das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) übermittelt worden sind. An der Datenübermittlung beteiligten sich 32 Untersuchungsämter. Alle diese Untersuchungsämter sind nach ISO 17025 akkreditiert und weisen ihre Leistungsfähigkeit durch regelmäßige Teilnahme an nationalen und/oder internationalen Ringversuchen nach.

Die detaillierten Tabellen zu den hier beschriebenen Auswertungen finden Sie unter dem Link "Tabellen zur Nationalen Berichterstattung Pflanzenschutzmittelrückstände 2008" am Ende dieser Seite.

Daten- und Probenumfang

Im Untersuchungsjahr 2008 wurden in der Bundesrepublik Deutschland insgesamt 16.986 Proben von Lebensmitteln auf das Vorkommen von Pestizidrückständen geprüft (Monitoring-Programm: 1.626 Proben, amtliche Lebensmittelüberwachung: 15.360 Proben). Für die Berichterstattung an die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und die Kommission der Europäischen Gemeinschaft werden die Proben in "surveillance sampling" und "follow-up enforcement sampling" geteilt. Als "surveillance"- Proben werden die Plan- und die Monitoring-Proben betrachtet. Als "follow-up enforcement sampling" Proben gelten die Verdachts-, Beschwerde- und Verfolgsproben. Von den 16.986 Proben gehörten 444 Proben in die Kategorie „follow-up enforcement sampling“. Die Lebensmittel des koordinierten Überwachungsprogramms umfassten 828 Proben.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) fasst die Ergebnisse der Einzelberichte aus den Mitgliedstaaten zusammen. Mit den aus Deutschland übermittelten Ergebnissen zu Pflanzenschutzmittelrückständen wird ein erheblicher Beitrag zu den Berichten der EFSA geleistet. Dazu einige Zahlen aus dem "2007 Annual Report on Pesticide Residues according to Article 32 of Regulation (EC) No 396/2005 - Prepared by Pesticides Unit (PRAPeR) of EFSA" vom 10. Juni 2009:

  • 21,8 % aller in dem Bericht dargestellten Proben (16.229 von 74.305) wurden in Deutschland untersucht
  • Anzahl der Proben (Obst, Gemüse und Getreide) pro 100.000 Einwohner: Deutsch-land: 20, EU-Mittelwert: 15 (zum Vergleich andere "größere" Mitgliedsstaaten: Frankreich: 8, Großbritannien: 5, Italien: 14, Polen: 4, Spanien: 14)
  • in keinem anderen Mitgliedsstaat wurde auf so viele Wirkstoffe untersucht wie in Deutschland (Deutschland: 709 Wirkstoffe, EU-Mittelwert: 218 Wirkstoffe)
  • 39,3 % aller quantifizierten Rückstände (28.152 von 71.676) des Berichtes für Obst und Gemüse wurden in deutschen Laboratorien bestimmt

In Deutschland leben 17 % (82 Mio.) der Bevölkerung der Europäischen Union von insgesamt 493 Mio.

Die für das Berichtsjahr 2008 übermittelten Daten verteilen sich auf 148 verschiedene Lebensmittel, wobei die Anzahl der Proben je Lebensmittel sehr unterschiedlich ist. Sie lag zwischen einer Probe und 1.202 Proben je Lebensmittel. Die Verteilung der Anzahl der Proben ist in der Tabelle 1 dargestellt. Damit sind zu 47 verschiedenen Lebensmitteln mindestens 100 Proben untersucht worden.

Tabelle 1: Verteilung der Anzahl der Proben 2008 je Lebensmittel
Anzahl der ProbenAnzahl der Lebensmittel
>= 10047
30  -  9922
10  -  2936
1  -   943

Am häufigsten untersucht wurden Erdbeeren (1.202 Proben), Tomaten (853 Proben), Äpfel (824 Proben), Tafeltrauben (794 Proben), Kartoffeln (782 Proben) und Paprika (776 Proben).
Von den untersuchten Lebensmittelproben waren 7.094 deutschen und 9.152 ausländischen Ursprungs. Bei 740 Proben wurde keine Angabe zur Herkunft übermittelt. Bei 520 Proben wurde als Herkunft "unbekanntes Ausland" angegeben. Die Importproben verteilten sich auf 80 Herkunftsstaaten. Die meisten stammen aus Spanien (2.230 Proben), Italien (1.362 Proben), den Niederlanden (966 Proben), Frankreich (363 Proben) und der Türkei (306 Proben).

Über die Hälfte der Proben (54,9 %) wurden im Lebensmitteleinzelhandel genommen. Von herstellenden Betrieben (Landwirtschaft, Obst- und Gemüsebau, verarbeitende Betriebe) stammten 18,9 % der Proben. Bei Großhändlern und Importeuren haben die Kontrolleure 20,0 % gezogen. Bei 6,2 % der Proben wurden keine Angaben zur Betriebsart zugeordnet.

Höchstmengen

Die Festsetzung von Höchstmengen für Pflanzenschutzmittelrückstände in Lebensmitteln orientiert sich in der Regel an der guten landwirtschaftlichen Praxis. Es handelt sich um die Menge an Pflanzenschutzmittelrückständen, die bei ordnungsgemäßer Anwendung durch den Landwirt auf die Kultur in der Regel nicht überschritten wird. Vor der Zulassung eines Pflanzenschutzmittels muss sichergestellt sein, dass bei dieser Konzentration keine Gefährdung der menschlichen Gesundheit eintreten kann. Höchstmengen von Pflanzenschutzmittelrückständen stellen somit die Obergrenze der Rückstandsmengen dar, die in Erzeugnissen gefunden werden können, wenn die Erzeuger die Grundsätze der guten landwirtschaftlichen Praxis beachten. Es handelt sich meist nicht um toxikologisch begründete Grenzwerte. Eine Überschreitung der Rückstandshöchstmenge ist deshalb in den meisten Fällen nicht mit einer direkten Gefährdung der Gesundheit der Verbraucher gleichzusetzen. Trotzdem ist ein Lebensmittel mit Rückständen über der Höchstmenge nicht verkehrsfähig und darf im Handel nicht mehr angeboten werden.

Nach Artikel 50 Abs. 2 der Verordnung (EG) Nr. 178/2002 (der so genannten Basisverord-nung) sind Informationen über das Vorhandensein eines ernsten unmittelbaren oder mittelbaren Risikos für die menschliche Gesundheit, das von Lebensmittel ausgeht, über das Europäische Schnellwarnsystem (RASFF) zu melden. Für die Rückstände von Pflanzenschutzmitteln gilt dabei: wenn der gefundene Rückstandswert über der akuten Referenzdosis (ARfD) liegt bzw. die vertretbare Tagesdosis (ADI) deutlich überschritten wird und eine Gefährdung des Verbrauchers "nicht ausgeschlossen werden kann", wird eine Meldung an das Europäische Schnellwarnsystem übermittelt. Die akute Referenzdosis (ARfD) definiert diejenige Rückstandsmenge, die über die Nahrung innerhalb eines Tages oder mit einer Mahlzeit aufgenommen werden kann, ohne dass daraus ein Gesundheitsrisiko für den Verbraucher entsteht. Die vertretbare Tagesdosis (ADI – Acceptable Daily Intake) bezeichnet die geschätzte Menge eines Stoffes in einem Lebensmittel, die ein Leben lang täglich ohne nennenswertes Risiko für jeden Verbraucher aufgenommen werden kann. Bei Überschreitungen der Höchstmengen schätzt die zuständige Überwachungsbehörde das toxikologische Risiko ab. Im Jahr 2008 wurde aus Deutschland in 40 Fällen eine Meldung wegen Pestizidrückständen an das Schnellwarnsystem übermittelt. Aus allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union waren es insgesamt 178 Meldungen.

Lebensmittelbezogene Betrachtung

Von den untersuchten "surveillance sampling"- Proben enthielten 7.176 (43,4 %) keine quantifizierbaren Rückstände, in 9366 (56,6 %) traten Rückstände auf. 607 Proben (3,7 %) enthielten Rückstände mit Gehalten über den Höchstmengen. Bevor eine Beanstandung von Proben wegen Höchstmengenüberschreitung erfolgen kann, sind seitens der Lebensmittelüberwachung die analytischen Messunsicherheiten zu berücksichtigen, da sie im Falle eines Gerichtsverfahrens ansonsten keinen Bestand hätten. Eine Beanstandung erfolgt deshalb in der Regel erst, wenn nach dem Abzug einer "erweiterten Messunsicherheit" von 50 % [nach Dokument SANCO/2007/3131 Method Validation and Quality Control Procedures for Pesticide Residue Analysis in Food and Feed] der Wert noch immer über der Höchstmenge liegt. Beanstandet wurden 331 (2,0 %) der "surveillance sampling"- Proben.

Die Belastung der "follow-up enforcement sampling" Proben war erwartungsgemäß höher als die der "surveillance sampling" Proben, da diese Proben aufgrund konkreter Verdachtsmomente erhoben wurden. Von den untersuchten Proben enthielten 192 (43,2 %) keine quantifizierbaren Rückstände, in 252 (56,8 %) traten Rückstände auf. 44 Proben (9,9 %) enthielten Rückstände mit Gehalten über den geltenden Höchstmengen. Beanstandet wurden 30 (6,8 %) der "follow-up enforcement sampling" Proben.

Wie bereits in den Vorjahren wurde auch im Berichtsjahr 2008 eine Auswertung von Proben aus dem ökologischen Anbau durchgeführt. Bei den übermittelten Daten waren 1451 Obst und Gemüse Proben als Bio-Proben gekennzeichnet ("follow-up" und "surveillance sampling"- Proben zusammen). Die Belastung dieser Proben war deutlich niedriger als diejenige der Gesamtheit der Proben. Von den untersuchten Proben enthielten 1277 (88,0 %) keine quantifizierbaren Rückstände, in 174 (12,0 %) traten Rückstände mit meistens sehr geringen (im Spurenbereich bis 0,01 mg/kg) Gehalten auf. Nur 14 Proben (1,0 %) enthielten Rückstände mit Gehalten über den Höchstmengen die für konventionell erzeugte Produkte gelten. Beanstandet wurden 8 (0,6 %) der Bio-Proben.

Bei Betrachtung der oben genannten Zahlen muss berücksichtigt werden, dass sie als Ergebnis der Auswertung von größtenteils risikoorientiert genommenen Proben entstanden sind. Lebensmittel, die in der Vergangenheit auffällig geworden waren, wurden somit häufiger und mit höheren Probenzahlen untersucht als solche, bei denen man aus Erfahrung keine erhöhte Rückstandsbelastung erwartet. Aus diesem Grund darf man aus diesen Zahlen und Ergebnissen nicht auf die Belastung der Gesamtheit der auf dem Markt vorhandenen Lebensmittel schließen.

Die Tabelle 2 enthält die zugrunde liegenden Daten der "surveillance sampling" Proben, getrennt nach den einzelnen Lebensmittelgruppen.

Tabelle 2: Gesamtübersicht über die Ergebnisse 2008

 

Lebensmittelgruppen

 

Proben

gesamt

 

 

Proben ohne Rück-

stände

(nicht bestimmbar)

 

Proben mit Rück-

ständen

 

Proben mit Rück-

ständen über der Höchst-

menge

 

 

Proben mit Rück-

ständen über der Höchst-

menge

-beanstandet

Getreide620

365

(58,9 %)

255

(41,1 %)

14

(2,3 %)

8

(1,3 %)

Lebensmittel tierischen
Ursprungs
1243

645

(51,9 %)

598

(48,1 %)

1

(0,1 %)

0

(0 %)

Erzeugnisse pflanzlichen

Ursprungs, einschließlich Obst

und Gemüse

14494

6005

(41,4 %)

8489

(58,6 %)

591

(4,1 %)

323

(2,2 %)

Kleinkindernahrung185

161

(87,0 %)

24

(13,0 %)

1

(0,5 %)

0

(0 %)

Gesamt16542

7176

(43,4 %)

9366

(56,6 %)

607

(3,7 %)

331

(2,0 %)

Säuglings- und Kleinkindernahrung kann als nahezu rückstandsfrei betrachtet werden. Es wurden zwar in 13,0 Prozent der Proben quantifizierbare Rückstände gefunden, sie waren aber sehr gering. In nur einer Probe wurde geringfügig eine Höchstmenge überschritten, die Probe wurde nicht beanstandet.

Die Rückstandssituation bei Getreide ist ebenfalls positiv zu bewerten. Fast 60 Prozent der Proben enthielt keine quantifizierbaren Rückstände. Höchstmengenüberschreitung wurde nur in 14 (2,3 %) Proben festgestellt. Beanstandet wurden 8 (1,3 %) der Getreideproben.

Bei Lebensmitteln tierischen Ursprungs wurden zwar in fast der Hälfte der Proben quantifizierbare Rückstände gemessen, sie waren jedoch meistens sehr gering. Gefunden wurden vor allem die persistenten und z.T. ubiquitär nachweisbaren chlororganischen Insektizide wie DDT, HCB und Lindan, die zwar seit langem in Deutschland nicht mehr angewendet werden dürfen, aber immer noch in der Lebensmittelkette vorhanden sind. Die gemessenen Rückstände sind meist auf Altlasten, vor allem in den Böden, zurückzuführen. Gelegentlich werden als Eintragsquelle auch Futtermittel aus Drittstaaten vermutet. Es wurden keine Beanstandungen für Lebensmittel tierischen Ursprungs gemeldet.

Differenzierter und teilweise ungünstiger ist die Rückstandslage bei Obst und Gemüse zu beurteilen. Neben Lebensmitteln, in denen keine bzw. nur wenige Höchstmengenüberschreitungen vorkamen, gab es auch solche mit zweistelligen prozentualen Anteilen an Proben, die wegen Höchstmengenüberschreitungen beanstandet wurden. Erfreulicherweise wurden in vielen Produkten, deren Verbrauch besonders hoch ist, selten Höchstmengenüberschreitungen ermittelt. Darunter sind z.B. Äpfel, Bananen, Blumenkohl, Erdbeeren, Karotten, Kopfkohl, Kartoffeln und Salat. In der Tabelle 3 sind die Lebensmittel zusammengefasst, bei denen der Anteil der beanstandeten Proben höchstens bei einem Prozent lag (berücksichtigt wurden nur Lebensmittel, bei denen mindestens 30 Proben untersucht wurden).

Tabelle 3: Obst und Gemüse mit den wenigsten Beanstandungen 2008
Lebensmittel

 

Anzahl der untersuchten Proben

 

Proben mit Rückständen über der Höchstmenge

-beanstandet [%]

Ananas970
Banane1360
Blumenkohl940
Chicoree500
Heidelbeere1090
Kohlrabi620
Kopfkohl  1850
Rosenkohl1430
Spargel2520
Stachelbeere980
Zwiebel2200
Kartoffeln7700,3
Apfel8010,5
Erdbeere11710,8
Karotte/Möhre5980,8
Pflaume2540,8
Kiwi         3051,0
Salat      5771,0
Spinat   2051,0

In einigen Obst- und Gemüsearten wurden Höchstmengenüberschreitungen deutlich häufiger beobachtet. Die 10 Lebensmittel mit den häufigsten Beanstandungen sind in der Tabelle 4 dargestellt (berücksichtigt wurden Lebensmittel, bei denen mindestens 100 Proben unter-sucht wurden).

Tabelle 4: Obst und Gemüse mit den meisten Beanstandungen 2008
Lebensmittel

 

Anzahl der untersuchten Proben

 

Proben mit Rückständen über der Höchstmenge

-beanstandet [%]

Maracuja (Passionsfrucht)17720,9
Frische Kräuter2688,6
Grünkohl1516,0
Tee1225,7
Zitrone                               2275,3
Johannisbeere (schwarz, rot und weiß)2464,9
Feldsalat1104,5
Mango                    1634,3
Orange2323,4
Tafeltraube7522,8

Die Rückstandssituation für einzelne Lebensmittel ist oft vom Herkunftsstaat abhängig. So wurde z.B. keine der Auberginenproben aus den Niederlanden beanstandet; der Durchschnitt aus allen Staaten lag bei 5,4 % (Auberginen wurden in der Tabelle 4 nicht aufgelistet, weil nur 92 Proben untersucht wurden). Bei Tafeltrauben aus Südafrika gab es keine Beanstandungen; der Durchschnitt über alle Herkünfte lag hier bei 2,8 %. Es wurden keine Birnen aus Deutschland beanstandet; der Durchschnitt aller Proben lag bei 1,4 %.

Eine ausführliche Darstellung der Datenlage nach Lebensmitteln zusammengefasst nach den Lebensmittelgruppen enthalten die Tabellen "Lebensmittelbezogene Darstellung - surveillance sampling", "Lebensmittelbezogene Darstellung - follow-up enforcement sampling" und "Lebensmittelbezogene Darstellung– Bio-Produkte".

Betrachtung von Produkten aus dem Ausland

Bei Proben aus dem Ausland wurden die Höchstmengen häufiger als bei in Deutschland produzierten überschritten (Deutschland: 1,9 %, andere EU-Staaten: 3,0 %, Drittstaaten: 9,1 %). Dementsprechend höher sind auch die Beanstandungen bei den ausländischen Proben (Deutschland: 0,9 %, andere EU-Staaten: 1,3 %, Drittstaaten: 5,9 %). Der größere Anteil an Proben mit Höchstmengenüberschreitungen bei importierten Proben resultiert teilweise aus der unterschiedlichen Gesetzeslage der Herkunftsstaaten. In einigen Mitgliedstaaten waren die gesetzlichen Höchstmengen bei bestimmten Wirkstoffen bis zum 31. August 2008 höher als in Deutschland. Mit der Vollendung der Harmonisierung der Höchstmengen durch die Verordnung (EG) Nr. 396/2005 wurde ab 1. September 2008 eine einheitliche Grundlage für die Bewertung der Rückstandssituation in der Europäischen Gemeinschaft festgesetzt. EU-weit gilt nun ein einheitlicher Standard.

Der Anteil an Proben ohne quantifizierbare Rückstände war bei den Produkten aus dem Ausland kleiner als bei den deutschen Produkten (Deutschland: 51,8 %, andere EU-Staaten: 35,6 %, Drittstaaten: 36,4 %). Eine der Ursachen dafür kann in den klimatischen Bedingungen in den Herkunftsstaaten, die teilweise einen stärkeren Einsatz von Pestiziden zum Schutz der Pflanzen erfordern, liegen.

Eine ausführliche Darstellung des Rückstandsvorkommens der einzelnen Lebensmittel nach Herkunftsstaaten enthält die Tabelle "Lebensmittel- und herkunftsbezogene Darstellung".

Wirkstoffbezogene Betrachtung

Zu den im Jahr 2008 untersuchten 16.986 Lebensmittelproben wurden insgesamt 3.999.282 einzelne Analysenergebnisse übermittelt. Die Proben wurden insgesamt auf 765 verschiedene Wirkstoffe untersucht, wobei keine Probe auf das gesamte Stoffspektrum untersucht worden ist. Einige Substanzen wurden nur in einzelnen bzw. in wenigen Proben untersucht. Durchschnittlich wurden 235 Wirkstoffe pro Probe untersucht. 177 Wirkstoffe wurden in mehr als 10.000 Proben untersucht, 168 Wirkstoffe in weniger als 1.000 Proben. Für 420 Wirkstoffe lag die Anzahl der Proben, in denen sie untersucht wurden zwischen 1.000 und 10.000. Bei 458 Wirkstoffen (60 %) wurden keine quantifizierbaren Gehalte gefunden. 307 Wirkstoffe (40 %) wurden in mindestens einer Probe quantifiziert. Bei 154 Wirkstoffen (20 %) traten Gehalte oberhalb der Höchstmengen auf. Bei 116 Wirkstoffen (15 %) führten die Höchstmengenüberschreitungen zu Beanstandungen der Proben. Tabelle 5 fasst diese Angaben getrennt nach den einzelnen Lebensmittelgruppen zusammen.

Tabelle 5: Gesamtübersicht über die untersuchten Wirkstoffe 2008

 

Lebensmittelgruppe

 

Anzahl der

untersuchten

Wirkstoffe

 

Anzahl der Wirkstoffe ohne

quantifizierbare

Rückstände

 

Anzahl der Wirkstoffe mit

quantifizierbaren Rückständen

Getreide676

639

(94,5 %)

37

(5,5 %)

Lebensmittel tierischen Ursprungs 161

142

(88,2 %)

19

(11,8 %)

Erzeugnisse pflanzlichen Ursprungs, einschließlich Obst und Gemüse751

460

(61,3 %)

291

(38,7 %)

Kleinkindernahrung559

541

(96,8 %)

18

(3,2 %)

Eine vollständige Liste der im Jahr 2008 analysierten Wirkstoffe enthält die Tabelle "Zusammenfassende Übersicht über die Anzahl der Untersuchungen, der Rückstände, der Höchstmengenüberschreitungen und der Beanstandungen für die einzelnen Wirkstoffe".

Insgesamt wurden 810 Höchstmengenüberschreitungen festgestellt. In 441 Fällen führten diese Überschreitungen zu Beanstandungen der betroffenen Proben. Die Wirkstoffe, die am häufigsten Beanstandungen verursachten, sind in Tabelle 6 zusammengefasst.

Tabelle 6: Wirkstoffe mit den häufigsten Höchstmengenüberschreitungen 2008

 

Wirkstoff

 

Anzahl der

untersuchten

Proben

 

Anzahl der Proben mit Rückständen über der

Höchstmenge

 

Anzahl der Proben mit Rückständen über der

Höchstmenge
-beanstandet

Dimethoat (Summe aus Dimethoat und Omethoat,

ausgedrückt als Dimethoat)

145624328

Carbendazim und Benomyl (Summe aus Benomyl

und Carbendazim, ausgedrückt als Carbendazim)

124294426
Triazophos138442725
Acephat137612117
Imazalil     145972616
Imidacloprid133212714
Acetamiprid131491913
Methamidophos143481713
Boscalid; Nicobifen   137845411
Monocrotophos          138981211
Cypermethrin Isomere, Gesamt-, 147831710

Diese 11 aufgeführten Wirkstoffe waren für 41,7 % (184 von 441) aller Beanstandungen verantwortlich. Eine Liste der im Jahr 2008 untersuchten Lebensmittel/Wirkstoffkombinationen, für die in mindestens einer Probe quantifizierte Rückstände gefunden wurden enthält die Tabelle "Bundesweite Darstellung der Lebensmittel/Wirkstoffkombinationen mit quantifizierten Rückständen".

Auftreten von Mehrfachrückständen

In 6177 Proben (36,4 %) des Jahres 2008 wurde mehr als ein Wirkstoffrückstand in quantifizierbarer Menge gefunden. Als mögliche Quellen der Mehrfachrückstände können folgende Gründe genannt werden:

  • Anwendung von Kombinationspräparaten mit mehreren Wirkstoffen,
  • Anwendung unterschiedlicher Wirkstoffe während der Wachstumsphase für die Bekämpfung verschiedener Schadorganismen,
  • gezielter Wirkstoffwechsel, um der Entwicklung von Resistenzen bei Schaderregern entgegen zu wirken,
  • Anwendungen auch während der Lagerung und/oder beim Transport,
  • Zusammensetzung einer Probe aus Bestandteilen unterschiedlicher Partien.

Ebenfalls ist es möglich, dass die gute landwirtschaftliche Praxis bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln nicht ausreichend angewendet wurde. Werden in einer Probe mehrere Pflanzenschutzmittel mit dem gleichen Wirkungsmechanismus gefunden, so liegt der Verdacht nahe, dass von Produzenten unterschiedliche Substanzen verwendet werden, um Überschreitungen der Höchstmengen für einzelne Pflanzenschutzmittel zu vermeiden.

Detaillierte Angaben über die Mehrfachrückstände in den einzelnen Lebensmitteln enthält die Tabelle "Anzahl der Rückstände und deren Häufigkeiten in den untersuchten Lebensmitteln".

Auch bei den Mehrfachrückständen gab es Unterschiede zwischen den einzelnen Obst- oder Gemüsearten. Die zehn Produkte mit den meisten Mehrfachrückständen ("surveillance sampling"- Proben) sind in der Tabelle 7 dargestellt (berücksichtigt wurden Lebensmittel, bei denen mindestens 100 Proben untersucht wurden).

Tabelle 7: Lebensmittel mit den meisten Mehrfachrückständen 2008

 

Lebensmittel

 

Anzahl
der
Proben

 

Proben mit Mehrfach­rückständen in %

 

Max. Anzahl der
Rückstände

Mandarine     41080,79
Johannisbeere  24674,813
Limette  11566,16
Erdbeere     117164,811
Himbeere16464,613
Tafeltraube75262,826
Orange           23254,79
Pfirsich   29354,613
Salat   57751,515
Birne          50350,520

Drei der in der Tabelle 7 aufgeführten Lebensmittel waren auch unter den "Top 10" bei den Beanstandungen wegen Höchstmengenüberschreitungen: Johannisbeere, Tafeltraube und Orange.

Für die toxikologische Bewertung von Mehrfachrückständen sind noch keine allgemein anerkannten Methoden vorhanden. Derartige Methoden werden aber zurzeit entwickelt. Bei Stoffen, die einen einheitlichen Wirkungsmechanismus haben und additiv wirken, soll eine gemeinsame Bewertung durchgeführt werden. Bei einigen wenigen Wirkstoffgruppen sind bereits Summenhöchstwerte festgelegt worden. Bei Stoffen mit unterschiedlichen Wirkungsmechanismen sollen potentielle Wechselwirkungen analysiert werden. Eine detaillierte Prüfung wird aber schwierig sein, weil die gefundenen Mehrfachrückstände aufgrund der Vielzahl eingesetzter Wirkstoffe sehr unterschiedliche Zusammensetzungen haben. An der Ausarbeitung geeigneter Bewertungsmethoden arbeitet die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zusammen mit nationalen Behörden der Mitgliedsstaaten.

Ein einheitliches, europäisches Konzept für die gesundheitliche Bewertung von Mehrfachrückständen bei Pflanzenschutzmitteln ist dargestellt in der Information Nr. 031/2008 des BfR vom 12. Juni 2008.

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