Navigation und Service

Kontrollprogramme, Auswertungen und Berichte zu Pflanzenschutzmittelrückständen in Lebensmitteln

Auch bei sachgerechter Anwendung von Pflanzenschutzmitteln können Rückstände in den entsprechenden Lebensmitteln nicht ausgeschlossen werden. Die Einhaltung der geltenden Rückstandshöchstgehalte wird dementsprechend von der amtlichen Lebensmittelüberwachung der Länder kontrolliert, um den Verbraucher vor möglichen gesundheitlichen Risiken zu schützen.


Datengrundlage

Als Datengrundlage für Auswertungen und Berichte dienen dem BVL die Daten der amtlichen Lebensmittelüberwachung der Länder. Dabei können bezüglich der Probenahme grundsätzlich zwei verschiedene Ansätze unterschieden werden. So handelt es sich bei Monitoring-Proben um Proben zur Ermittlung der Verbraucherexposition. Sie werden nach einem jährlich festgelegten Probenahmeplan repräsentativ und unter Berücksichtigung biostatistischer Aspekte gezogen. Demgegenüber dienen die sogenannten Surveillance-Proben der Überprüfung der Einhaltung der gesetzlich festgelegten Rückstandshöchstgehalte. Die Probenahme erfolgt hier risikoorientiert, das heißt, Lebensmittel, die in der Vergangenheit auffällig geworden sind, werden häufiger und mit höheren Probezahlen kontrolliert. Folglich sind die erhaltenen Ergebnisse auch nicht repräsentativ für die Gesamtheit der auf dem Markt befindlichen Lebensmittel. Gleiches gilt ebenso für die Verfolgs-, Verdachts- und Beschwerdeproben.

Aufgrund der Berücksichtigung analytischer Messunsicherheiten werden Überschreitungen eines gesetzlich festgelegten Rückstandshöchstgehalts in Deutschland erst beanstandet, wenn sie um eine definierte Streubreite über diesem Wert liegen. Im Rahmen der Datenübermittlung an die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bzw. an die Europäische Kommission sowie in den zugehörigen Auswertungen und Berichten werden jedoch alle nominell über dem Rückstandshöchstgehalt liegenden Messwerte bereits als Überschreitung gewertet.

Koordiniertes Kontrollprogramm der Gemeinschaft (KKP)

Gemäß Artikel 29 der Verordnung (EG) Nr. 396/2005 über Höchstgehalte an Pestizidrückständen in oder auf Lebens- und Futtermitteln pflanzlichen und tierischen Ursprungs legt die Europäische Kommission ein mehrjähriges koordiniertes Kontrollprogramm der Gemeinschaft (KKP) mit genauen Angaben über die in die nationalen Kontrollprogramme der Mitgliedstaaten einzubeziehenden Proben fest.

Mit Hilfe dieser Proben soll einerseits die Einhaltung der geltenden Rechtsvorschriften, konkret der in der Verordnung (EG) Nr. 396/2005 festgelegten Rückstandshöchstgehalte, überprüft und andererseits die Verbraucherexposition mit Rückständen von Pflanzenschutzmitteln ermittelt werden. Das koordinierte Kontrollprogramm wird dabei jeweils für drei Jahre erstellt, jährlich aktualisiert und in Form einer Verordnung veröffentlicht. Die Umsetzung erfolgt in Deutschland im Rahmen des Monitorings. Weitere Informationen hierzu finden Sie auf der rechten Seite.

Nationales Kontrollkonzept "Pflanzenschutzmittelrückstände in oder auf Lebensmitteln"

Die Mitgliedstaaten der EU legen gemäß Artikel 30 der Verordnung (EG) Nr. 396/2005 über Höchstgehalte an Pestizidrückständen in oder auf Lebens- und Futtermitteln pflanzlichen und tierischen Ursprungs nationale Mehrjahresprogramme zur Kontrolle von Pestizidrückständen fest. Diese sind risikoorientiert und unter Berücksichtigung der Vorgaben des Koordinierten Kontrollprogramms der Gemeinschaft (KKP) zu erstellen und zielen insbesondere auf die Bewertung der Verbraucherexposition und die Einhaltung der geltenden Rechtsvorschriften ab.

Dabei müssen auch die Vorgaben der Verordnung (EG) Nr. 882/2004 über amtliche Kontrollen zur Überprüfung der Einhaltung des Lebensmittel- und Futtermittelrechts sowie der Bestimmungen über Tiergesundheit und Tierschutz bezüglich der Durchführung von amtlichen Kontrollen auf allen Stufen der Produktion sowie der Importkontrolle berücksichtigt werden. Die jährlich zu aktualisierenden Programme sind der Europäischen Kommission vorzulegen.

Um allen diesen Vorgaben gerecht zu werden, wurde in Deutschland das Kontrollkonzept "Pflanzenschutzmittelrückstände in oder auf Lebensmitteln nach der Verordnung (EG) Nr. 396/2005" gemeinsam von Bund und Ländern erarbeitet, welches eine koordinierte Umsetzung im Rahmen des Monitorings (Verbraucherexposition) und der risikoorientierten amtlichen Lebensmittelüberwachung (Einhaltung von Rechtsvorschriften) ermöglicht. Das Kontrollkonzept sieht einen dreijährigen Zyklus für das zu erstellende nationale Mehrjahresprogramm einschließlich der vorgegebenen jährlichen Aktualisierung vor.

Jährliche Auswertungen und Berichte / Nationale Berichterstattung

Bis einschließlich 2008 wurden die Berichtspflichten Deutschlands an die Europäische Kommission über die Ergebnisse der amtlichen Kontrollen der Lebensmittelüberwachung gemäß den nachfolgenden Richtlinien erfüllt und zusammengefasst in Form der Berichte "Nationale Berichterstattung Pflanzenschutzmittelrückstände" jährlich veröffentlicht.

  • Richtlinie des Rates 76/895/EWG über die Festsetzung von Höchstgehalten an Rückständen von Schädlingsbekämpfungsmitteln auf und in Obst und Gemüse
  • Richtlinie des Rates 86/362/EWG über die Festsetzung von Höchstgehalten an Rückständen von Schädlingsbekämpfungsmitteln auf und in Getreide
  • Richtlinie des Rates 86/363/EWG über die Festsetzung von Höchstgehalten an Rückständen von Schädlingsbekämpfungsmitteln auf und in Lebensmitteln tierischen Ursprungs
  • Richtlinie des Rates 90/642/EWG über die Festsetzung von Höchstgehalten an Rückständen von Schädlingsbekämpfungsmitteln auf und in bestimmten Erzeugnissen pflanzlichen Ursprungs, einschließlich Obst und Gemüse

Diese Berichte beinhalteten auch die Ergebnisse der koordinierten Überwachungsprogramme der Gemeinschaft (KÜP) zur Sicherung der Einhaltung der Rückstandshöchstgehalte von Schädlingsbekämpfungsmitteln auf und in Getreide und bestimmten anderen Erzeugnissen pflanzlichen Ursprungs gemäß den Richtlinien 86/362/EWG und 90/642/EWG. Die im Rahmen der KÜP zu untersuchenden Lebensmittel und Pflanzenschutzmittelwirkstoffe wurden dabei jährlich von der Europäischen Kommission in Form einer Empfehlung bekanntgegeben.

Die Datengrundlage für die Berichte zur "Nationalen Berichterstattung Pflanzenschutzmittelrückstände" bildeten die Daten der amtlichen Lebensmittelüberwachung der Länder einschließlich der im (Lebensmittel-) Monitoring gezogenen Proben. Weitere Informationen hierzu finden Sie unter Datengrundlage. Die von den Ländern übermittelten Daten wurden jährlich ausgewertet und der erstellte Bericht über das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) an die Europäische Kommission gesandt. Diese wiederum veröffentlichte eine Auswertung der Ergebnisse aller Mitgliedstaaten der EU.

Durch das Inkrafttreten der Verordnung (EG) Nr. 396/2005 über Höchstgehalte an Pestizidrückständen in oder auf Lebens- und Futtermitteln pflanzlichen und tierischen Ursprungs wurden die vier oben genannten Richtlinien aufgehoben. Dementsprechend erfolgt die Berichterstattung zu Pflanzenschutzmittelrückständen jetzt nicht mehr in der beschriebenen Form.

Gemäß der Verordnung (EG) Nr. 396/2005 werden seit 2009 die gesamten Daten der amtlichen Lebensmittelüberwachung der Länder einschließlich der Ergebnisse des Monitorings vom BVL in Form einzelner Datensätze direkt an die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) übermittelt. Diese erstellt auf Grundlage der Daten aller EU-Mitgliedstaaten einen Jahresbericht zu Pestizidrückständen und macht die entsprechenden Informationen der Europäischen Kommission und den Mitgliedstaaten zugänglich.

Davon unabhängig führt das BVL aber weiterhin eine jährliche Auswertung der Daten zu Pflanzenschutzmittelrückständen in Lebensmitteln durch und veröffentlicht die Ergebnisse in Form des Berichtes "Nationale Berichterstattung Pflanzenschutzmittelrückstände in Lebensmitteln" sowie der zugehörigen Tabellen im Internet. Weitere Informationen hierzu finden Sie auf der rechten Seite.

Vierteljährliche Auswertungen

Um eine höhere Aktualität und Transparenz erreichen und zeitnah auf mögliche Auffälligkeiten reagieren zu können, führt das BVL seit Januar 2009 zusätzlich zu den jährlichen auch vierteljährliche Auswertungen der von der amtlichen Lebensmittelüberwachung der Länder übermittelten Daten zu Pflanzenschutzmittelrückständen in Lebensmitteln durch. Diese sogenannten Quartalsauswertungen werden ebenfalls im Internet veröffentlicht. Weitere Informationen hierzu finden Sie auf der rechten Seite.

Qualitätssicherung

Die im Rahmen der amtlichen Lebensmittelüberwachung einschließlich des (Lebensmittel-) Monitorings bei der Probenahme und der Analytik von Pflanzenschutzmittelrückständen angewandten Verfahren müssen bestimmte Qualitätskriterien erfüllen. Diese sind in den nachfolgenden Dokumenten der Europäischen Kommission für alle EU-Mitgliedstaaten einheitlich festgelegt.

  • Richtlinie 2002/63/EG zur Festlegung gemeinschaftlicher Probenahmemethoden zur amtlichen Kontrolle von Pestizidrückständen in und auf Erzeugnissen pflanzlichen und tierischen Ursprungs
  • Guidance document on residue analytical methods (SANCO/825/2000)
  • Method validation and quality control procedures for pesticide residues analysis in food and feed (SANCO/2007/3131) bzw. (SANCO/10684/2009)

In Deutschland besitzen alle Untersuchungsämter der Länder, die Daten zu Pflanzenschutzmittelrückständen in Lebensmitteln an das BVL übermitteln, eine Akkreditierung der staatlichen Anerkennungsstelle der Lebensmittelüberwachung. Sie nehmen regelmäßig an qualitätssichernden Maßnahmen, wie beispielsweise Ringversuchen und Laborvergleichsuntersuchungen, teil.




© 2014 Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit