Untersuchen auf dem gleichen Level
Im Verlauf der Herstellung der Lebensmittel werden diese vielfach Prozessen ausgesetzt, die zu unerwünschten Eigenschaften der Produkte führen können. Die Mitarbeiter der Lebensmittelüberwachung weisen dabei beispielsweise Rückstände von Tierarznei- und Pflanzenschutzmitteln nach, Schwermetalle oder hygienische Mängel. Eine Vielzahl problematischer Rückstände und Kontaminationen sind in europäischem und nationalem Recht geregelt. Amtliche Laboratorien auf lokaler, regionaler, nationaler und EU-Ebene tragen durch Kontrollen zur Lebensmittelsicherheit bei. Aufgaben der Referenzlaboratorien
Das System zur Untersuchung von Rückständen und Kontaminanten ist hierarchisch aufgebaut: Es gibt vier Europäische Referenzlaboratorien im Bereich Tierarzneimittelrückstände und Kontaminanten in Lebensmittel liefernden Tieren, in jedem Mitgliedstaat der EU mindestens ein Nationales Referenzlabor sowie weitere amtliche Routinelaboratorien. Insgesamt bestehen seit 2006 in der Europäischen Union 40 Europäische Referenzlaboratorien, die die Leistungsfähigkeit der amtlichen Laboratorien in der EU auf einem einheitlich hohen Niveau gewährleisten, um zu vergleichbaren Messergebnissen zu gelangen. Dadurch wird der Verbraucherschutz gestärkt und der Inlands- sowie grenzüberschreitende Handel durch die Vereinheitlichung von Standards gefördert. Die Europäischen Referenzlaboratorien besitzen dabei koordinierende und beratende Funktion den Mitgliedstaaten gegenüber. Die Mitgliedstaaten wiederum sind verpflichtet, zu allen Lebensmittelbereichen nationale Referenzlaboratorien zu errichten, die eng mit den Europäischen Referenzlaboratorien zusammenarbeiten und somit ein Europa umspannendes Netzwerk bilden. Aufgaben der Referenzlaboratien im BVL
In der „Referatsgruppe Untersuchungen“ des BVL sind ein Europäisches Referenzlaboratorium und acht nationale Referenzlaboratorien angesiedelt. Das Referenzlabor koordiniert und unterstützt die europäischen nationalen Referenzlaboratorien und die amtlichen Untersuchungslaboratorien der Bundesländer. Die vom Referenzlabor entwickelten neuen Standards zur Validierung, Qualitätssicherung sowie zur Optimierung und Weiterentwicklung von Methoden stellt das BVL anderen Labors zur Verfügung. Darüber hinaus führt das Referenzlabor Tierstudien durch, koordiniert Projekte und ermittelt in Monitorings repräsentative Daten. Das Referenzlabor verschafft sich regelmäßig einen Überblick über die Leistungsfähigkeiten der in den Laboren angewandten Methoden und gibt Empfehlungen zur Umsetzung von Gemeinschaftsrecht.Was wird in den Referenzlaboratorien untersucht?
Gesundheitlich bedenkliche Rückstände von Tierarzneimitteln, beispielsweise antibakteriell wirksame Stoffe, Antiparasitika oder Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen (Mykotoxine) und Umweltkontaminanten sind in Lebensmitteln tierischer Herkunft unerwünscht. Die Anwendung bestimmter Stoffe bei Lebensmittel liefernden Tieren ist sogar verboten, beispielsweise Sexualhormone als Masthilfsmittel. In modern ausgestatten Laboratorien werden unter anderem Fleisch, Milch, Eier und Honig sowie Proben von lebenden Tieren auf Rückstände untersucht. In Obst, Gemüse und Getreide stehen vor allem Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, aber auch Schwermetalle und Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen im Focus der behördlichen Laboratorien. Durch den zunehmenden Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen und die Nutzung gentechnischer Verfahren bei der Herstellung von Lebensmitteln wächst auch der Bedarf an geeigneten Nachweisverfahren beispielsweise für Mais, Reis, Soja, Tofu oder Backwaren. Probenahme, Rückstandsanalyse und Maßnahmen der Überwachungsbehörden sind EU-weit einheitlich geregelt.Vergleichsstudien
Laboratorien, die amtliche Rückstandskontrollen durchführen, müssen in ein international anerkanntes externes Qualitätssicherungs- und Akkreditierungssystem eingebunden sein. Das bedeutet, dass diese Laboratorien regelmäßig an Laborvergleichsstudien teilnehmen müssen um ihre Leistungsfähigkeit zu beweisen. Die Studien werden von Nationalen oder Europäischen Referenzlaboratorien organisiert.
Das Europäische und das Nationale Referenzlabor für Rückstände in Berlin haben im nationalen, europäischen und internationalen Rahmen eine Reihe von Laborvergleichsstudien durchgeführt. Dabei wurde unter anderem die Leistungsfähigkeit der Labore bezüglich der Analytik von Chloramphenicol, Beta-Agonisten oder Nitroimidazolen überprüft.
Darüber hinaus haben das Europäische und das Nationale Referenzlabor für Rückstände in Berlin an einer Vielzahl von Laborvergleichsstudien teilgenommen, die von den anderen Europäischen Referenzlaboratorien durchgeführt wurden. Dabei haben die Referenzlabore ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt. Das Nationale und das EU-Referenzlabor des BVL wurden nach dem europäischen Standard EN 45001 und den OECD -GLP Prinzipien Nr. 2 und 7 (EN 45001+), jetzt ISO 17025, akkreditiert.Kampf gegen resistente Keime
Resistente Bakterien sind eine Bedrohung für die Gesundheit der Verbraucher und Tiere, da sie die Therapie von Infektionskrankheiten beeinträchtigen. Besondere Probleme bereiten Bakterien, die nicht nur gegen ein Antibiotikum resistent sind, sondern auf mehrere Antibiotika nicht mehr ansprechen. Daher ist es eine wichtige Aufgabe des BVL, die Resistenzentwicklung bei Mikroorganismen zu beobachten und deren Verbreitung durch wirksame Managementmaßnahmen entgegen zu wirken.
Das BVL führt seit 2001 deutschlandweite Überwachungsstudien zur Resistenz bei Bakterien von Lebensmittel liefernden Tieren durch. Die Ergebnisse der Monitoringstudien werden bei der Zulassung von Antibiotika für Tiere berücksichtigt, indem, falls notwendig, die Anwendung des Wirkstoffs eingeschränkt wird. Praktizierende Tierärzte können auf Grundlage der Ergebnisse des BVL eine sinnvolle Vorauswahl der zur Behandlung geeigneten Antibiotika treffen.
Um verlässliche Aussagen über die aktuelle Resistenzsituation tierpathogener Bakterien machen zu können, werden kontinuierlich repräsentative Ergebnisse zur Empfindlichkeit dieser Bakterien benötigt. Daher hat das BVL seit 2001 ein Netz zwischen 40 nationalen Laboratorien aufgebaut, mit dessen Hilfe nach einem festgelegten Stichprobenplan Bakterien für die Untersuchungen gesammelt und an das BVL geschickt werden. Nach einer international anerkannten Untersuchungsvorschrift werden die Bakterien im BVL auf ihr Empfindlichkeitsverhalten gegenüber mindestens 24 Antibiotika geprüft. Durch jährliche europaweite Ringversuche wird kontinuierlich der hohe Standard der Untersuchungen bestätigt.
Gentechnisch veränderte Organismen (GVO)
Die Herstellung von Lebens- und Futtermitteln mit Hilfe von GVO und der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen nehmen weltweit zu. Die Untersuchung dieser Produkte ist durch nationale und internationale lebens- und futtermittelrechtliche Bestimmungen geregelt. Hierfür müssen geeignete Nachweisverfahren zur Verfügung stehen.
Die Entwicklung einheitlicher Verfahren zur Probennahme und zum Nachweis von GVO werden dabei durch die enge Zusammenarbeit des EU Referenzlabors, des europäischen Netzwerks der GVO-Laboratorien, der nationalen amtlichen Untersuchungslaboratorien und des BVL gewährleistet.