Resistenzen gegen Tierarzneimittel

Antibiotika wirken bei vielen bakterielle Krankheiten und galten in der Vergangenheit oft als Wunderwaffe. Doch schon bald stellten Wissenschaftler fest, dass sich Bakterien gegen die Wirkung von Antibiotika wehren können: Ein Abwehrmechanismus, den ein Bakterium neu bilden, oder von anderen Bakterien übernehmen kann, macht sie resistent. Ein zu sorgloser Einsatz von Antibiotika in der Vergangenheit hat dazu geführt, dass derzeit von den über hundertfünfzig therapeutisch einsetzbaren Antibiotika schon einige kaum noch zuverlässig wirken. Antibiotika werden oftmals zu schnell und in zu geringer Dosierung eingesetzt oder die Antibiotikabehandlung wird zu früh abgebrochen.

Erreger menschlicher Krankheiten übernehmen Resistenzen
Solche Behandlungsfehler tragen zum Entstehen resistenter Bakterien bei, betroffen sind sowohl die Tiermedizin als auch die Humanmedizin. Denn eine Antibiotikaresistenz kann durch den Verzehr von tierischen Lebensmitteln auch auf bakterielle Erreger im menschlichen Körper übertragen werden.

Grundsätzlich können drei Übertragungswege über Lebensmittel unterschieden werden: Zum einen die direkte Übertragung durch Antibiotikarückstände in Lebensmitteln. Dieser Weg gilt fälschlicherweise als der Wichtigste. Tatsächlich spielt er nach Untersuchungszahlen des BVL keine Rolle. Der zweite mögliche Weg ist die Aufnahme von bereits unempfindlichen Bakterien. Ein Zusammenhang erscheint möglich, wurde bisher aber nicht zweifelsfrei nachgewiesen. Der dritte Übertragungsweg ist schließlich durch die Aufnahme von nicht krankmachenden Bakterien möglich, die ihre Resistenz im menschlichen Darmtrakt an krankmachende Bakterien weitergeben können. Der Austausch oder die Übertragung von antibiotikaresistenten Bakterien zwischen verschiedenen Bakterien des Menschen und der Tiere ist aber keine Einbahnstraße. Das zeigen aktuelle, Besorgnis erregende Beobachtungen in der Humanmedizin, die bisher nicht bei tierischen Bakterien festgestellt werden konnten (Methicillin-resistente Staphylokokken, Breitspektrum-ß-Laktamasen bei Darmbakterien).

Resistenzen frühzeitig erkennen – Vorausschauende Maßnahmen entwickeln
Zu den Aufgaben des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) gehört es, frühzeitig die Entstehung von Resistenzen zu erkennen und vorsorglich entsprechende Maßnahmen zu entwickeln, die eine Entstehung und Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen verringern. Das Ziel ist, eine aktuelle verlässliche Datenbasis zum Risikomanagement aufzubauen. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse lassen sich dann zukunftsfähige Maßnahmen zum Schutz des Verbrauchers und der Tiere entwickeln. In Zusammenarbeit mit mehr als 35 Laboren in Deutschland führt das BVL repräsentative Querschnittsuntersuchungen zur Resistenz bei krankmachenden Bakterien von Tieren durch, um den aktuellen Status zu erfassen und neue Entwicklungen bei der Entstehung und Ausbreitung von Resistenzen im Vorfeld zu erkennen. Bei der Bewertung der Ergebnisse werden auch äußere Einflussfaktoren, wie Herdengröße, Tieralter und Produktionsstufe der Tiere berücksichtigt. Für alle Untersuchungen setzt das BVL ausschließlich international anerkannte Standardmethoden ein. Die Überprüfung des hohen Standards erfolgt in jährlichen Ringversuchen, an denen auch andere europäische Labore teilnehmen.

Die vom BVL ermittelten Daten zur Empfindlichkeit von Bakterien der Tiere sind auch für den praktizierenden Tierarzt von Bedeutung. Bei einer schnell einzuleitenden Therapie kann der Tierarzt bei der Auswahl eines geeigneten Antibiotikums die Ergebnisse des BVL als Entscheidungshilfe verwerten. Ein weiterer Schwerpunkt des BVL ist die Aus- und Weiterbildung von Studenten der Veterinärmedizin und Tierärzten zu Fragen der Antibiotikaresistenz und –bestimmung. Das BVL will damit einen bewussten Einsatz von Antibiotika fördern und in Zukunft das Risiko der Resistenzentwicklung und –ausbreitung minimieren.