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Jahresbericht 2000 - 2001 zum Nationalen Rückstandskontrollplan

Rückstände in Lebensmitteln tierischer Herkunft

Die Ergebnisse der amtlichen Untersuchungen der Länder, die im Rahmen des Nationalen Rückstandskontrollplanes (NRKPs) 2000 bzw. 2001 durchgeführt wurden, sind jeweils in den Tabellen 1 bis 3 dargestellt. Die Stoffe wurden Gruppen entsprechend Anhang I der Richtlinie 96/23/EG zugeordnet. Tabelle 1 gibt einen Überblick über die in Deutschland nach Rückstandskontrollplan 2000 bzw. 2001 insgesamt durchgeführten Untersuchungen und die Verteilung der Untersuchungen auf die wichtigsten Stoffgruppen. Tabelle 2 stellt detailliert die untersuchten Stoffuntergruppen dar und Tabelle 3 gibt die Ergebnisse von Untersuchungen der Einzelstoffe wieder. Da ein Tier oder Erzeugnis auf einen oder mehrere Stoffe untersucht worden sein kann, ist es nicht möglich, die Anzahl der in einer Stoffgruppe untersuchten Tiere oder Erzeugnisse aus den in Tabelle 3 aufgeführten Einzelergebnissen zu ermitteln. Daher werden in den Tabellen 1 und 2 die Daten gruppenweise nach verschiedenen Stoffgruppenkriterien zusammengefasst dargestellt. Der Rückstandskontrollplan ist nicht auf die Erzielung von statistisch repräsentativen Daten ausgerichtet, das heisst es können aus den Daten keine allgemeingültigen Schlussfolgerungen über die tatsächliche Belastung von tierischen Erzeugnissen mit unerwünschten Stoffen gezogen werden. Der Rückstandskontrollplan dient vielmehr der gezielten Überwachung des vorschriftsmäßigen Einsatzes von pharmakologisch wirksamen Stoffen, der Kontrolle des Nichteinsatzes verbotener Stoffe und der Sammlung von Erkenntnissen über Ursachen einer Belastung. Die Probenahme im Rahmen des nationalen Rückstandskontrollplanes erfolgt unter Berücksichtigung von Erkenntnissen über örtliche und regionale Gegebenheiten oder von Hinweisen auf unzulässige oder vorschriftswidrige Tierbehandlungen. Durch die zielorientierte Probenauswahl ist mit einer größeren Anzahl an „positiven Rückstandsbefunden“ zu rechnen, als bei einer zufälligen Auswahl der Proben.


Rückstandsuntersuchungen in Zahlen


Im Jahr 2000 wurden ca. 325.000 Untersuchungen an rund 48.400 Tieren oder tierischen Erzeugnissen durchgeführt im Jahr 2001 waren es 335.000 Untersuchungen an rund 43.800 Tieren oder tierischen Erzeugnissen. Insgesamt wurde im Jahr 2000 auf 643 und 2001 auf 473 Stoffe geprüft. Aus Übersichtsgründen wurde die Anzahl der in Tabelle 3 aufgeführten Stoffe für 2000 auf 386 und für 2001 auf 384 begrenzt, wobei die im Rückstandskontrollplan ausgewiesenen Pflichtstoffe und alle Stoffe mit positiven Rückstandsbefunden berücksichtigt worden sind. Zum Teil nicht enthalten sind weitere von den Ländern auf freiwilliger Basis untersuchte Stoffe. Zu den genannten Untersuchungen kommen im Jahr 2000 noch ca. 177.000 Tiere und im Jahr 2001 noch ca. 235.000 Tiere hinzu, die mittels einer Screeningmethode, dem sogenannten Dreiplattentest, auf Hemmstoffe untersucht wurden.


Beanstandungen (positive Rückstandsbefunde)


Als Beanstandung (positiver Rückstandsbefund) gilt

  • bei zugelassenen Stoffen und Kontaminanten: alle mit einer Bestätigungsmethode abgesicherten quantitativen Befunde, bei denen eine Überschreitung der Höchstmengen, der Beurteilungswerte oder Richtwerte vorliegt;
  • bei verbotenen und nicht zugelassenen Stoffen: alle mit einer Bestätigungsmethode abgesicherten qualitativen und quantitativen Befunde



Bewertung der positiven Rückstandsbefunde 2000 und 2001
Die Anzahl der ermittelten positiven Rückstandsbefunde ist im Jahr 2000 weiter zurückgegangen und liegt bei 0,16 %. Im Jahr 2001 war mit 0,22 % ein leichter Anstieg zu verzeichnen. Zum Vergleich waren 1998 noch 0,64 % und 1999 noch 0,26 % der untersuchten Proben mit Rückständen oberhalb der Normen belastet. Die vorliegenden Befunde gaben keine Hinweise auf ein akutes Verbraucherrisiko.

Verbotene und nicht zugelassene Stoffe
Hormonell wirksame Stoffe, die bei illegalem Einsatz meist der Leistungssteigerung und der Verbesserung der Masteffekte dienen, wurden nur in wenigen Fällen nachgewiesen. Die Anzahl der Rückstandsbefunde bei den seit Juni 1997 bis auf einzelne strenge Indikationsstellungen fast vollständig verbotenen ß-Agonisten war weiter rückläufig. Im Jahr 2000 konnte in einem Fall Clenbuterol und in zwei Fällen Terbutalin nachgewiesen werden (0,04 %). Im Jahr 2001 wurden ß-Agonisten bei Untersuchungen im Rahmen des NRKPs gar nicht gefunden. Allerdings gab es einen bestätigten Verdachtsfall, wo bei einer großen Anzahl von Tieren Clenbuterolrückstände analysiert werden konnten. Zum Vergleich: 1997 waren noch 0,97 %, 1998 noch 0,28 % und 1999 0,07 % der untersuchten Proben positiv. Untersucht wurden jährlich zwischen 6.000 und 9.000 Tiere bzw. tierische Erzeugnisse. Auch in den Jahren 2000 und 2001 wurde das seit August 1994 bei lebensmittelliefernden Tieren verbotene Antibiotikum Chloramphenicol nachgewiesen. Im Jahr 2000 waren von den fast 8.500 durchgeführten Chloramphenicoluntersuchungen 9 Proben positiv (0,11 %), im Jahr 2001 enthielten von 7.500 untersuchten Proben 10 Rückstände (0,13 %). In 1999 waren es dagegen 0,24 % und im Jahr 1998 1,38 %. Die ermittelten Rückstandsmengen lagen zwischen 0,2 bis 9,2 µg/kg. Im Jahr 2000 wurden fast 4.200 und im Jahr 2001 4.300 Proben auf nicht zugelassene entzündungshemmende Mittel untersucht. Rückstände konnten 2000 in 12 Fällen (0,29 %) und 2001 in 8 Fällen (0,19 %) nachgewiesen werden. Gefunden wurde fast ausschließlich der Stoff Phenylbutazon bei Rindern, so dass 2000 0,56 % und 2001 0,37 % der untersuchten Rinder positiv waren.

Tierarzneimittel
Stoffe mit antibakterieller Wirkung: In Deutschland werden nach Fleischhygienerecht jährlich 2 % aller geschlachteten Kälber und 0,5 % aller sonstigen gewerblich geschlachteten Tiere auf Rückstände untersucht. Ein großer Teil dieser Proben (jährlich ca. 200.000) wird mittels Dreiplattentest, einem kostengünstigen mikrobiologischen Screeningverfahren zum Nachweis von antibakteriell wirksamen Stoffen (Hemmstoffe), untersucht. Wie aus der folgenden Graphik ersichtlich, ist in den letzen Jahren insgesamt ein Rückgang der Befunde zu verzeichnen mit einem leichten Anstieg auf 0,49 % im Jahr 2000.

Rückläufige Tendenz bei Untersuchung auf Hemmstoffe von 1997 bis 2001© BVL

Bei den mit speziellen analytischen Methoden durchgeführten Untersuchungen auf antibakteriell wirksame Stoffe zeigt sich ein ähnliches Bild wie bereits in den Vorjahren. Höchstmengenüberschreitungen konnten hauptsächlich bei folgenden Stoffgruppen und Tierarten nachgewiesen werden (Pro Jahr 2 Tabellen):

 

Positive Rückstandsergebnisse 2000 bei Untersuchungen auf antibakteriell wirksame Stoffe (bezogen auf Stoffgruppen)
Stoffgruppe   RindSchwein
Anz = Anzahl Proben
Pos = Anzahl Positive
 Proben gesamtdavon
 AnzPosin %AnzPosin %AnzPosin %
Sulfonamide3.267120,3769210,141.507110,73
Tetracycline3.36870,2176820,261.50350,33
Aminoglycoside1.07690,8422773,0815810,63
Chinolone3.02110,03      
Penicilline3.46310,03   1.82610,05
Positive Rückstandsergebnisse 2000 bei Untersuchungen auf antibakteriell wirksame Stoffe (bezogen auf Stoffgruppen)
Stoffgruppe   GeflügelHonig
Anz = Anzahl Proben
Pos = Anzahl Positive
 Proben gesamtdavon
 AnzPosin %AnzPosin %AnzPosin %
Sulfonamide3.267120,37      
Tetracycline3.36870,21      
Aminoglycoside1.07690,84   9811,02
Chinolone3.02110,0354410,18   
Penicilline3.46310,03      



 

Positive Rückstandsergebnisse 2001 bei Untersuchungen auf antibakteriell wirksame Stoffe (bezogen auf Stoffgruppen)
Stoffgruppe   RindSchwein
Anz = Anzahl Proben
Pos = Anzahl Positive
 Proben gesamtdavon
 AnzPosin %AnzPosin %AnzPosin %
Sulfonamide3.091130,4273320,271.571100,64
Tetracycline3.54670,2083220,241.56850,32
Aminoglycoside1.43460,4232130,9340920,49
Chinolone2.71320,07   1.32820,15
Penicilline2.49860,2457010,181.11730,27
Positive Rückstandsergebnisse 2001 bei Untersuchungen auf antibakteriell wirksame Stoffe (bezogen auf Stoffgruppen)
Stoffgruppe   MilchHonig
Anz = Anzahl Proben
Pos = Anzahl Positive
 Proben gesamtdavon
 AnzPosin %AnzPosin %AnzPosin %
Sulfonamide3.091130,42   12210,82
Tetracycline3.54670,20      
Aminoglycoside1.43460,42   14210,70
Chinolone2.71320,07      
Penicilline2.49860,2464020,31   


Der Anteil an positiven Ergebnissen je Tierart ist in der folgenden Tabelle noch einmal zusammengefasst dargestellt.

 

Positive Rückstandsergebnisse 2000 und 2001 im Vergleich zu 1999 bei Untersuchungen auf antibakteriell wirksame Stoffe (bezogen auf Tierarten)
Tierart199920002001
Anz = Anzahl Proben
Pos = Anzahl Positive 
 Anz.Pos.in %Anz.Pos.in %Anz.Pos.in %
Kälber51230,593590029900
Mastrinder1.85110,051.88230,161.78640,22
Kühe1.04430,291.04280,771.02020,20
Schweine6.229230,376.905210,306.438210,33
Schafe15010,671700010200
Truthühner40961,4749510,2054400
Honig10310,9711510,8715821,27
Milch823001.392001.23120,16


Sonstige Tierarzneimittel
Im Jahr 2000 konnten Anthelmintika bei der Untersuchung von insgesamt fast 4.700 Proben in zwei Fällen nachgewiesen werden. Kokzidiostatika wurden 2000 bei der Untersuchung von 164 Eierproben in zwei Fällen gefunden. Bei einer von 1.626 untersuchten Schweineproben wurden 2000 Rückstände von Azaperon, einem Beruhigungsmittel, oberhalb der Höchstmenge analysiert. Im Jahr 2001 wurde bei einem von 1.911 Schweinen das Beruhigungsmittel Xylazin festgestellt.

Kontaminanten und andere Stoffe
Schwermetall- und Organochloridbelastungen oberhalb der festgelegten Höchstmengen waren insbesondere bei Wildtieren und älteren Pferden und Rindern zu finden. Von den 36 in 2000 untersuchten Pferden waren 3 Pferde über 5 Jahre mit Cadmium und Quecksilber positiv, in 2001 war es eins von 10 untersuchten Tieren. Die Rückstände wurden im Fleisch gefunden, das normalerweise gering belastet ist. Die Werte lagen zwischen 0,3 und 3 mg/kg. Wild war im Jahr 2000 zu 10,5 % (10 Positive von 95 untersuchten Proben) und 2001 zu 15,5 % (20 Positive von 129 untersuchten Proben) mit Gesamt-DDT, Blei bzw. Cadmium belastet.

Die zahlreichen positiven Cadmiumbefunde bei Kühen sind darauf zurückzuführen, dass die Nieren dieser Tiere untersucht wurden. Diese gelangen allerdings nicht in die Nahrungsmittelkette, so dass keine Gefahr für den Verbraucher bestand. Entsprechend den geset zlichen Bestimmungen werden Nieren von über 24 Monate alten Rindern (dazu zählen i.d.R. alle Kühe) verworfen.

Mykotoxine
Bei Kontrollen von Rindern und Schweinen auf das Vorkommen unerlaubter Wachstumsförderer wurden insbesondere im Jahr 2000 in einigen Proben (Galle) Zeranol-Rückstandskonzentrationen von 2 - 3 µg/l gefunden. Seit einiger Zeit ist jedoch bekannt, dass Zeranol und sein Epimer Taleranol auch einen natürlichen Ursprung haben können. Beide werden direkt durch den Schimmelpilz Fusarium oder durch die Umwandlung der Mykotoxine Zearalenon, sowie alpha- und beta-Zearalenol gebildet (s. auch folgende Abbildung zu den Chemische Strukturen). Das Auftreten von Fusarium ist bei Mais und anderen Getreidearten in Europa klimatisch bedingt nicht selten und hat in den vergangenen Jahren immer wieder zu hohen Mykotoxingehalten in Futtermitteln geführt. Als Folge des Schimmelpilzbefalls sind dann auch Rückstande dieser Stoffe im Urin oder in der Gallenflüssigkeit von Tieren zu beobachten. Eine Unterscheidung zwischen natürlich auftretendem Zeranol und Rückständen aus einer illegalen Verwendung eines Masthilfsmittels wird dadurch schwierig. Aufschluss kann hier eine differenzierte Bestimmung von Zeranol, Taleranol, Zearalenon sowie der strukturverwandten Stoffwechselprodukte alpha-Zearalenol und beta-Zearalenol geben. Nach verschiedenen Literaturangaben liegt eine Mykotoxinkontamination mit hoher Wahrscheinlichkeit vor, wenn die Summe der Rückstandskonzentrationen der beiden Stoffwechselprodukte alpha-Zearalenol und beta-Zearalenol mehr als das Zehnfache der Rückstandskonzentration des Zeranols beträgt. Wie aus der folgenden Tabelle hervorgeht, wurden bei den fraglichen drei Zeranol-Befunden gleichzeitig sehr hohe Konzentrationen des Mykotoxins Zearalenon sowie der Hauptstoffwechselprodukte alpha-Zearalenol und beta-Zearalenol bestimmt. Es konnte daher von einer Fusarium-Kontamination des Futters ausgegangen werden. Bei weiteren 88 Tieren, sowohl bei Schweinen wie auch bei Rindern, wurden ebenfalls hohe Gehalte der Mykotoxine in Gallen oder auch in Urinproben gefunden. Bei diesen Tieren lagen die Zeranol-Rückstandskonzentrationen jedoch unterhalb der Nachweisgrenze.

 

Rückstandskonzentrationen von Zeranol und Fusariumtoxinen in Gallenflüssigkeit von 3 Tieren im Jahr 2000
 
Tier
Zeranol (ZER)Taleranol (TAL)alpha-Zearalenol (aZOH)beta-Zearalenol (ßZOH)Zearalenon(aZOH+ßZOH) : (ZER+TAL)
µg/l 
Rind 12< 29741546
Rind 22222832326
Schwein3< 21675720475


Abbildung: Chemische Strukturen von Zeranol, Zearalenon und strukturverwandten Stoffwechselprodukten

Chemische Strukturen von Zeranol, Zearalenon und strukturverwandten StoffwechselproduktenChemische Strukturen von Zeranol, Zearalenon und strukturverwandten Stoffwechselprodukten © BVL

 

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