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Jahresbericht 2002 zum Nationalen Rückstandskontrollplan

Rückstände in Lebensmitteln tierischer Herkunft

Die Ergebnisse der amtlichen Untersuchungen der Länder, die im Rahmen des Nationalen Rückstandskontrollplanes (NRKPs) 2002 durchgeführt wurden, sind in den Tabellen 1 bis 3 dargestellt. Die Stoffe wurden Gruppen entsprechend Anhang I der Richtlinie 96/23/EG zugeordnet. Tabelle 1 gibt einen Überblick über die in Deutschland nach Rückstandskontrollplan 2002 insgesamt durchgeführten Untersuchungen und die Verteilung der Untersuchungen auf die wichtigsten Stoffgruppen. Tabelle 2 stellt detailliert die untersuchten Stoffuntergruppen dar und Tabelle 3 gibt die Ergebnisse von Untersuchungen der Einzelstoffe wieder. Da ein Tier oder Erzeugnis auf einen oder mehrere Stoffe untersucht worden sein kann, ist es nicht möglich, die Anzahl der in einer Stoffgruppe untersuchten Tiere oder Erzeugnisse aus den in Tabelle 3 aufgeführten Einzelergebnissen zu ermitteln. Daher werden in den Tabellen 1 und 2 die Daten gruppenweise nach verschiedenen Stoffgruppenkriterien zusammengefasst dargestellt. Der Rückstandskontrollplan ist nicht auf die Erzielung von statistisch repräsentativen Daten ausgerichtet, d.h. es können aus den Daten keine allgemeingültigen Schlussfolgerungen über die tatsächliche Belastung von tierischen Erzeugnissen mit unerwünschten Stoffen gezogen werden. Der Rückstandskontrollplan dient vielmehr der gezielten Überwachung des vorschriftsmäßigen Einsatzes von pharmakologisch wirksamen Stoffen, der Kontrolle des Nichteinsatzes verbotener Stoffe und der Sammlung von Erkenntnissen über Ursachen einer Belastung. Die Probenahme im Rahmen des Nationalen Rückstandskontrollplanes erfolgt unter Berücksichtigung von Erkenntnissen über örtliche und regionale Gegebenheiten oder von Hinweisen auf unzulässige oder vorschriftswidrige Tierbehandlungen. Durch die zielorientierte Probenauswahl ist mit einer größeren Anzahl an „positiven Rückstandsbefunden“ zu rechnen, als bei einer zufälligen Auswahl der Proben.



Rückstandsuntersuchungen in Zahlen


Im Jahr 2002 wurden fast 330.000 Untersuchungen an rund 44.900 Tieren oder tierischen Erzeugnissen durchgeführt. Insgesamt wurde auf 728 Stoffe geprüft. Aus Übersichtsgründen wurde die Anzahl der in Tabelle 3 aufgeführten Stoffe auf 437 begrenzt, wobei die im Rückstandskontrollplan ausgewiesenen Pflichtstoffe und alle Stoffe mit positiven Rückstandsbefunden berücksichtigt worden sind. Zum Teil nicht enthalten sind weitere von den Ländern auf freiwilliger Basis untersuchte Stoffe. Zu den genannten Untersuchungen kommen noch ca. 217.000 Tiere hinzu, die mittels einer Screeningmethode, dem sogenannten Dreiplattentest, auf Hemmstoffe untersucht wurden.

Anzahl der untersuchten Tiere und tierischen Erzeugnisse im Einzelnen:
RindSchweinSchafPferdGeflügelAqua-
kulturen
KaninchenWildMilchEierHonig
15.10520.370539734.313459301761.890771169
Zusätzlich mittels Hemmstofftest untersuchte Proben:
19.192193.7563.5055331209715   

Beanstandungen (positive Rückstandsbefunde)


Als Beanstandung (positiver Rückstandsbefund) gilt

  • bei zugelassenen Stoffen und Kontaminanten: alle mit einer Bestätigungsmethode abgesicherten quantitativen Befunde, bei denen eine Überschreitung von festgelegten Höchstmengen vorliegt;
  • bei verbotenen und nicht zugelassenen Stoffen: alle mit einer Bestätigungsmethode abgesicherten qualitativen und quantitativen Befunde.

Auswertung der positiven Rückstandsbefunde 2002
Im Jahr 2002 liegt der Prozentsatz der ermittelten positiven Rückstandsbefunde mit 0,19 % in ähnlicher Größenordnung wie in den Vorjahren. Zum Vergleich: im Jahr 2000 waren 0,16 % und im Jahr 2001 waren 0,22 % der untersuchten Proben mit Rückständen oberhalb der Normen belastet.

Verbotene und nicht zugelassene Stoffe
Hormonell wirksame Stoffe, die bei illegalem Einsatz meist der Leistungssteigerung und der Verbesserung der Masteffekte dienen, wurden 2002 nicht nachgewiesen. ß-Agonisten, die seit Juni 1997 bis auf einzelne strenge Indikationsstellungen fast vollständig verbotenen sind, wurden ebenfalls nicht gefunden. Zum Vergleich: 1999 wurden Rückstände von ß-Agonisten (bekanntester Vertreter: Clenbuterol) in 0,07 %, 2000 in 0,04 % und 2001 in einem Fall ermittelt. Auch weiterhin nachgewiesen wurde das seit August 1994 bei lebensmittelliefernden Tieren verbotene Antibiotikum Chloramphenicol. Von den 7.265 durchgeführten Chloramphenicoluntersuchungen waren 16 Proben positiv (0,22 %). Gegenüber den Vorjahren ist hier ein Anstieg zu verzeichnen (zum Vergleich: 2000 waren es 0,11 % und 2001 0,13 %). Die in 2002 ermittelten Rückstandsmengen lagen zwischen 0,08 und 6,6 µg/kg. Außerdem wurde bei Masthähnchen in einem Fall in Tränkwasser das verbotene Antiparasitikum Ronidazol gefunden, welches zur Gruppe der Nitroimidazole gehört. Im Jahr 2002 wurden 4.365 Proben auf nicht zugelassene entzündungshemmende Mittel untersucht. Rückstände konnten in 6 Fällen (0,14 %) nachgewiesen werden. Gefunden wurde wie in den vergangenen Jahren fast ausschließlich der Stoff Phenylbutazon bei Rindern, so dass bezogen auf untersuchte Rinder 0,24 % der Tiere positiv waren. Dies bedeutet gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang um 0,13 %.

Tierarzneimittel
Bei den mit spezifischen analytischen Methoden durchgeführten Untersuchungen auf antibakteriell wirksame Stoffe wurden gegenüber den Vorjahren eher weniger Rückstände gefunden. Waren im Jahr 2000 von 13.544 untersuchten Proben noch 34 (0,25 %) und 2001 noch 31 von 12.777 (0,24 %) untersuchten Proben positiv, so sind es 2002 von 12.823 noch 17 Proben (0,13 %). Höchstmengenüberschreitungen konnten hauptsächlich bei folgenden Stoffgruppen und Tierarten (Folgende 2 Tabellen) nachgewiesen werden:
 

Positive Rückstandsergebnisse 2002 bei Untersuchungen auf antibakteriell wirksame Stoffe (bezogen auf Stoffgruppen)
 Proben
gesamt
davon
Anz = Anzahl Proben 
Pos = Anzahl Positive
Stoff-
gruppe
   RindSchwein
 AnzPosin %AnzPosin %AnzPosin %
Sulfon-
amide
2.462110,4569830,431.44070,49
Macrolide1.55510,06      
Tetra-
cycline
4.23420,05   1.93020,10
Amino-
glycoside
1.30530,23   43810,23
Positive Rückstandsergebnisse 2002 bei Untersuchungen auf antibakteriell wirksame Stoffe (bezogen auf Stoffgruppen)
 Proben
gesamt
davon
Anz = Anzahl Proben 
Pos = Anzahl Positive
Stoff-
gruppe
   HonigKanin-
chen
Eier
 AnzPosin %AnzPosin %AnzPosin %AnzPosin %
Sulfon-
amide
2.462110,459611,04      
Macrolide1.55510,06      2114,8
Tetra-
cycline
4.23420,05         
Amino-
glycoside
1.30530,2310110,994125,0   

Der Anteil an positiven Ergebnissen je Tierart ist in der folgenden Tabelle noch einmal zusammengefasst dargestellt. 

Positive Rückstandsergebnisse 2002 im Vergleich zu 2000 und 2001 bei Untersuchungen auf antibakteriell wirksame Stoffe (bezogen auf Tierarten)
Tierart200020012002
Anz. = Anzahl Proben
Pos. = Anzahl Positive
         
 Anz.Pos.in %Anz.Pos.in %Anz.Pos.in %
Kälber359002990031100
Mastrinder1.88230,161.78640,221.80220,11
Kühe1.04280,771.02020,201.01810,10
Schweine6.905210,306.438210,336.253100,16
Schafe170001020018400
Kaninchen7006001119,09
Truthühner49510,205440055600
Honig11510,8715821,2710521,90
Milch1.392001.23120,161.27900
Eier3140028700,0026810,37

Andere Tierarzneimittel wurden nicht festgestellt. Außerdem werden in Deutschland nach Fleischhygienerecht jährlich 2 % aller geschlachteten Kälber und 0,5 % aller sonstigen gewerblich geschlachteten Tiere auf Rückstände untersucht. Ein großer Teil dieser Proben (2002 ca. 217.000) wird mittels Dreiplattentest, einem kostengünstigen mikrobiologischen Screeningverfahren zum Nachweis von antibakteriell wirksamen Stoffen (Hemmstoffe), untersucht. Wie aus der folgenden Graphik ersichtlich, stieg die Anzahl der positiven Hemmstoffteste im Jahr 2002 zwar wieder etwas an, ist jedoch während der vergangenen 7 Jahre insgesamt rückläufig.

Rückläufige Tendenz bei Untersuchung auf Hemmstoffe von 1997 bis 2002© BVL

Kontaminanten und andere Stoffe
Belastungen mit Schwermetallen und Organochlorverbindungen oberhalb der festgelegten Höchstmengen waren insbesondere bei Wildtieren zu finden. Von den 132 untersuchten Wildproben waren 7 Proben bei den Tests auf organische Chlorverbindungen und in 3 Proben bei Kontrollen auf Blei positiv. Die 8 positiven Cadmiumbefunde bei Kühen sind darauf zurückzuführen, dass die eigentlich nicht verzehrsfähigen Nieren dieser Tiere untersucht wurden. Entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen werden Nieren von über 24 Monate alten Rindern (dazu zählen in der Regel alle Kühe) wegen ihrer bekanntermaßen hohen Belastung mit Schwermetallen verworfen. Diese gelangen demzufolge nicht in die Nahrungsmittelkette, so dass keine Gefahr für den Verbraucher bestand. Weitere Einzelbefunde gab es bei Schafen, Schweinen, Fischen und Eiern. Bei der Untersuchung von 58 Forellen wurde in 6 Proben der Farbstoff Malachitgrün gefunden. Alle 6 Proben stammten von Tieren aus einem Erzeugerbetrieb.

Gesundheitliche Bewertung der Ergebnisse des Nationalen Rückstandskontrollplanes 2002
Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat die Ergebnisse des Nationalen Rückstandskontrollplanes 2002 mit Unterstützung des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte bewertet. Zusammenfassend kann festgestellt werden:

  1. Die zuständigen Behörden der Bundesländer haben im Rahmen des Rückstandskontrollplanes in ca. 90 Fällen Rückstände und Kontaminanten gefunden, die festgelegte Höchstmengen überschreiten oder gar nicht enthalten sein dürften („Positive Rückstandsbefunde“). Die im Interesse der Lebensmittelsicherheit rechtlich festgelegten Vorgaben waren bei diesen Proben nicht erfüllt.
  2. Durch Lebensmittel mit der festgestellten Beschaffenheit sind schwerwiegende Gesundheitsgefahren nicht zu erwarten.Mit akuten Gesundheitsrisiken war bei den Proben insgesamt nicht zu rechnen; nur in einem Fall (Phenylbutazon) müsste bei Menschen mit eingeschränkter Leber- und Nierenfunktion ein gewisses Risiko für die Verschlechterung der Organfunktionen angenommen werden und in einem anderen Fall (Neomycin) eine gewisse antibiotische Wirksamkeit. Das Bundesinstitut für Risikobewertung ist im übrigen besorgt, dass in Einzelfällen immer noch Chloramphenicolrückstände gefunden wurden. Bei langfristiger Aufnahme von Lebensmitteln, die von den gesetzlichen Vorgaben in der bei drei Fällen festgestellten Weise abweichen (Ronidazol, 2 x PCB-Kongenere), ist ein nicht bezifferbares kanzerogenes Risiko anzunehmen.
  3. Hinsichtlich der mehrfach gefundenen Antibiotikarückstände ist darauf hinzuweisen, dass auch bei niedrigen Konzentrationen und vor allem bei wiederholter Aufnahme von antibiotisch wirksamen Stoffen das Risiko einer Resistenzbildung und einer Sensibilisierung besteht. Die in den Proben gefundenen Rückstände können ein Anzeichen für Fehlanwendungen der Tierarzneimittel oder für die Nichteinhaltung vorgeschriebener Wartezeiten vor dem Schlachten der Tiere sein.
  4. Da der Nationale Rückstandskontrollplan erklärtermaßen nicht auf Erzielung statistisch-repräsentativer Daten ausgerichtet ist, war nicht festzustellen, in wie weit es sich bei den Fällen um sehr seltene, vereinzelte Ausnahmen gehandelt hat.

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