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Jahresbericht 2003 zum Nationalen Rückstandskontrollplan

Rückstände in Lebensmitteln tierischer Herkunft

Die Ergebnisse der amtlichen Untersuchungen der Länder, die im Rahmen des Nationalen Rückstandskontrollplanes (NRKPs) 2003 durchgeführt wurden, sind in den Tabellen 1 bis 3 dargestellt. Die Stoffe wurden Gruppen entsprechend Anhang I der Richtlinie 96/23/EG zugeordnet. Zur besseren Differenzierung wurden in den Tabellen 2 und 3 zusätzliche Untergruppen eingeführt. Tabelle 1 gibt einen Überblick über die Ergebnisse der in Deutschland nach Rückstandskontrollplan 2003 insgesamt durchgeführten Untersuchungen und die dabei berücksichtigten wichtigsten Stoffgruppen. Tabelle 2 stellt detailliert die Ergebnisse hinsichtlich der untersuchten Stoffuntergruppen dar und Tabelle 3 gibt die Ergebnisse von Untersuchungen zum Vorhandensein von Rückständen der Einzelstoffe wieder. Da die Proben von Tieren und tierischen Erzeugnissen zum Teil auf ein breites Spektrum von Rückständen aus verschiedenen Stoffgruppen untersucht wurden, kann aus den in Tabelle 3 aufgeführten Rückstandsbefunden nicht auf die Anzahl der insgesamt untersuchten Proben geschlossen werden. Daher werden in den Tabellen 1 und 2 die Daten gruppenweise nach verschiedenen Stoffgruppenkriterien zusammengefasst dargestellt.

Die Untersuchungen im Rahmen des Rückstandskontrollplans sind generell nicht auf die Erzielung von statistisch repräsentativen Daten aus gerichtet, daher können aus den Daten auch keine allgemeingültigen Schlussfolgerungen über die tatsächliche Belastung tierischer Erzeugnisse mit unerwünschten Stoffen gezogen werden. Die Untersuchungen dienen vielmehr der gezielten Überwachung des rechtskonformen Einsatzes von pharmakologisch wirksamen Stoffen, der Kontrolle der Einhaltung des Anwendungsverbotes bestimmter Stoffe und der Sammlung von Erkenntnissen über Ursachen einer Rückstandsbelastung. Die Probenahme im Rahmen des Nationalen Rückstandskontrollplanes erfolgt unter Berücksichtigung von Erkenntnissen über örtliche und regionale Gegebenheiten oder von Hinweisen auf den unzulässigen oder vorschriftswidrigen Einsatz von Tierarzneimitteln. Durch die zielorientierte Probenauswahl ist mit einer größeren Anzahl an „positiven Rückstandsbefunden“ zu rechnen, als dies bei einer Probenahme nach dem Zufallsprinzip der Fall wäre.

Rückstandsuntersuchungen in Zahlen

Im Jahr 2003 wurden fast 341.500 Untersuchungen an 46.652 Tieren oder tierischen Erzeugnissen durchgeführt. Insgesamt wurde auf 608 Stoffe geprüft. Aus Gründen besserer Übersichtlichkeit wurde die Anzahl der in Tabelle 3 aufgeführten Stoffe auf 489 begrenzt, wobei die im Rückstandskontrollplan ausgewiesenen Pflichtstoffe und alle Stoffe mit positiven Rückstandsbefunden berücksichtigt worden sind. Zum Teil nicht enthalten sind weitere von den Ländern auf freiwilliger Basis untersuchte Stoffe. Zu den genannten Untersuchungs- bzw. Probenzahlen kommen noch Proben von ca. 255.500 Tieren hinzu, die mittels einer Screeningmethode, dem sogenannten Dreiplattentest, auf Hemmstoffe untersucht worden sind.

Anzahl der Proben untersuchter Tiere und tierischer Erzeugnisse im Einzelnen
RindSchweinSchafPferdGeflügelAqua-
kulturen
KaninchenWildMilchEierHonig
15.93621.089481785.409313301921.960977187
Zusätzlich mittels Hemmstofftest untersuchte Proben:
24.999226.3173.6716559277983 - - -

Beanstandungen (positiver Rückstandsbefund)

Als Beanstandung gilt

  • bei zugelassenen Stoffen und Kontaminanten: alle mit einer Bestätigungsmethode abgesicherten quantitativen Befunde, bei denen eine Überschreitung von festgelegten Höchstmengen vorliegt
  • bei verbotenen und nicht zugelassenen Stoffen: alle mit einer Bestätigungsmethode abgesicherten qualitativen und quantitativen Befunde

Auswertung der positiven Rückstandsbefunde 2003

Im Jahr 2003 lag der Prozentsatz der ermittelten positiven Rückstandsbefunde mit 0,33 % höher als in den Vorjahren. Zum Vergleich: Im Jahr 2002 waren 0,19 % und im Jahr 2001 0,22 % der untersuchten Proben mit Rückständen oberhalb der zulässigen Höchstmengen belastet. Diese Zunahme dürfte vorrangig auf Lasalocid-Natrium Befunde in Eiern zurückzuführen sein, auf die im Folgenden u. a. näher eingegangen wird.

Verbotene und nicht zugelassene Stoffe

Lasalocid-Natrium und Nicarbacin sind Kokzidiostatika, d.h. Mittel, die gegen bestimmte Parasiten wirken. Sie werden als Futtermittelzusatzstoffe eingesetzt. Lasalocid-Natrium darf bei Masthähnchen und Junghennen bis zur 16. Lebenswoche sowie bei Puten; Nicarbacin darf lediglich bei Masthähnchen in Kombination mit Narasin angewendet werden. Nicht zugelassen ist die Anwendung beider Kokzidiostatika bei Legehennen. Daher dürften diese Stoffe bei ordnungsgemäßem Einsatz weder in Futtermitteln für Legehennen noch in Eiern vorkommen. Lasalocid wurde im Jahr 2003 aber in 80 der insgesamt 512 untersuchten Proben (15,6 %) gefunden. 47 Proben stammten von Eiern und 33 Proben von Futtermitteln, i.d.R. aus unterschiedlichen Erzeugerbetrieben. Die nachgewiesenen Gehalte waren sehr unterschiedlich. Bei Eiern lagen diese zwischen 0,4 µg/kg und einem extrem hohen Einzelwert von 1328 µg/kg. 90 % der Werte waren allerdings unter 53 µg/kg angesiedelt (Mittelwert ohne den hohen Einzelwert 15,9 µg/kg, Median 5,6 µg/kg). Bei Futtermitteln wurden insgesamt höhere Werte gefunden. Die Gehalte lagen zwischen 14,8 µg/kg und 269,2 µg/kg (Mittelwert 90,3 µg/kg Median 74,13 µg/kg). Als wahrscheinliche Ursachen wurden in erster Linie Verschleppungen von Lasalocidresten im Herstellungsbereich von Futtermitteln vermutet. Nicarbacin wurde lediglich in einer von insgesamt 212 untersuchten Eierproben (0,47 %) nachgewiesen.

Wie die Untersuchungsergebnisse belegen, spielte der unzulässige Einsatz hormonell wirksamer Stoffe zur Leistungssteigerung und zur Verbesserung der Masteffekte auch in 2003 praktisch keine Rolle. Lediglich in einem Fall konnte Mabuterol, ein ß-Agonist, festgestellt werden. Die Anwendung von ß-Agonisten ist seit Juni 1997 bis auf einzelne strenge Indikationen verboten. Im Jahr 2002 waren sie im Rahmen der Untersuchungen des NRKP nicht nachgewiesen worden.

Wie auch in den Vorjahren wurde in Einzelfällen das seit August 1994 bei lebensmittelliefernden Tieren verbotene Antibiotikum Chloramphenicol nachgewiesen. Von den insgesamt 7.725 auf das Vorhandensein von Chloramphenicol untersuchten Proben waren 6 positiv (0,08 %). Gegenüber den Vorjahren hat sich damit die Zahl bzw. der Prozentsatz chloramphenicolbelasteter Proben wieder verringert (zum Vergleich: 2002 waren es 0,22 % und 2001 0,13 %); die in 2003 ermittelten Chloramphenicolrückstandsmengen lagen zwischen 0,83 und 3,28 µg/kg.

Außerdem wurde bei Schweinen in einem Fall Semicarbazid (u.a. als Metabolit von Nitrofurazon bekannt, welches zur Gruppe der antimikrobiell und kokzidiostatisch wirkenden Nitrofurane gehört) und in einem weiteren Fall das verbotene Antiparasitikum Metronidazol gefunden. Letzteres gehört zur Gruppe der Nitroimidazole.

Die Anzahl der positiven Proben bei den nicht zugelassenen entzündungshemmenden Mitteln ist weiter zurückgegangen. Waren es im Jahr 2002 noch sechs Fälle, in denen der Stoff Phenylbutazon bei Rindern gefunden wurde (0,24 % der untersuchten Rinder), so war in 2003 Phenylbutazon nur noch in zwei Fällen nachzuweisen (1x bei einer Kuh und 1x in Milch).

Tierarzneimittel

Im Jahre 2003 enthielten 24 der 11.930 mit spezifischen analytischen Methoden untersuchten Proben (0,20 %) Rückstände antimikrobiell wirksamer Stoffe. Im Vergleich dazu waren im Jahr 2001 von 12.777 untersuchten Proben 31 (0,24 %) und in 2002 von 12.823 untersuchten lediglich 17 Proben (0,13 %) rückstandspositiv. Die Höchstmengenüberschreitungen wurden bei folgenden Stoffgruppen, Tierarten und in Honig nachgewiesen:

Untersuchungen und Nachweise antibakteriell wirksamer Stoffe* 2003 (Stoffgruppen mit Positiven Rückstandsergebnissen)
StoffgruppegesamtRindSchweinHonig
Anz = Anzahl Proben
Pos = Anzahl Positive
* ohne Hemmstofftests
 AnzPosin %AnzPosin %AnzPosin %AnzPosin %
Sulfonamide2.41640,17   1.09720,1810821,85
Tetracycline4.56670,151.08650,461.94320,10 - -
Aminoglycoside1.181110,9329572,3752040,77 - - -
Penicilline1.26730,2426320,7659210,17 - - -
Chinolone2.90110,0362710,16 - - - - -



Die Anzahl bzw. der Prozentsatz von Rückstandsbefunden im Vergleich der Jahre 2001, 2002 und 2003 ist, bezogen auf die verschiedenen Tierarten und Erzeugnisse, in der folgenden Tabelle zusammenfassend dargestellt:

Rückstandsbefunde 2003 im Vergleich zu 2001 und 2002 bei Untersuchungen auf antibakteriell wirksame Stoffe* bezogen auf Tierart/Erzeugnis)
Tierart200120022003
Anz = Anzahl Proben
Pos = Anzahl Positive
* ohne Hemmstofftests
 Anz.Pos.in %Anz.Pos.in %Anz.Pos.in %
Kälber299003110020752,42
Mastrinder1.78640,221.80220,111.64940,24
Kühe1.02020,201.01810,1095550,52
Schweine6.438210,336.253100,165.81780,14
Kaninchen6001119,09400
Honig15821,2710521,9013421,49
Milch1.23120,161.279001.22400
Eier28700,0026810,3732100



Außerdem werden in Deutschland nach Fleischhygienerecht jährlich 2 % aller geschlachteten Kälber und 0,5 % aller sonstigen gewerblich geschlachteten Tiere auf Rückstände von antimikrobiell wirksamen Stoffen untersucht. Ein großer Teil dieser Proben (im Jahr 2003 ca. 255.500) wird mittels Dreiplattentest, einem kostengünstigen mikrobiologischen Screeningverfahren zum Nachweis von antibakteriell wirksamen Stoffen (Hemmstoffe), untersucht. Wie aus der folgenden Graphik ersichtlich, verringerte sich der Anteil an positiven Ergebnissen bei der Untersuchung auf Hemmstoffe im Jahr 2003 gegenüber dem Jahr 2002 um 0,16 % und ist in den vergangenen sieben Jahren insgesamt rückläufig.

Antiparasitika: Doramectin, ein Anthelminthikum (Wurmmittel), wurde lediglich bei einem Schwein sowie bei einem Rind gefunden.

Ein großer Teil dieser Proben (im Jahr 2003 ca. 255.500) wird mittels Dreiplattentest, einem kostengünstigen mikrobiologischen Screeningverfahren zum Nachweis von antibakteriell wirksamen Stoffen (Hemmstoffe), untersucht. Wie aus der folgenden Graphik ersichtlich, verringerte sich der Anteil an positiven Ergebnissen bei der Untersuchung auf Hemmstoffe im Jahr 2003 gegenüber dem Jahr 2002 um 0,16 % und ist in den vergangenen sieben Jahren insgesamt rückläufig.

Rrückläufige Tendenz bei Untersuchung auf Hemmstoffe von 1997 bis 2003© BVL

Kontaminanten und andere Stoffe

Belastungen mit Organochlorverbindungen oberhalb der festgelegten Höchstmengen wurden bei Wild in sieben von 149 untersuchten Proben (4,7 %) festgestellt. In den ausschließlich von Wildschweinen stammenden Proben wurden folgende Stoffe gefunden: DDT gesamt, HCB, alpha-HCH, beta-HCH, Bromocyclen, PCB 153.

Die zehn positiven Cadmiumbefunde bei Kühen überraschten zunächst. Allerdings sind hiervon allein neun Befunde darauf zurückzuführen, dass die grundsätzlich gemäß den gesetzlichen Bestimmungen zu verwerfenden Nieren von über 24 Monate alten Rindern, die bekanntermaßen hohe Schwermetallgehalte aufweisen, entnommen, eingesandt und untersucht wurden. Weitere Cadmium-Einzelbefunde gab es bei Schweinen. Auffällig waren außerdem fünf Bleibefunde in 68 untersuchten Milchproben (7,3 %). Die Befunde stammten aus unterschiedlichen Be trieben, die Werte waren mit 0,035 bis 0,1 mg/kg relativ niedrig. In einem Fall konnte eine Havarie in der Wasseranlage als Ursache ermittelt werden. Weitere Einzelbefunde wurden bei Rindern (PCBs), Kuhmilch (Aflatoxin M1), Schweinen (Blei), Eiern (DDT gesamt und PCBs) und Forellen (Endosulfan und Malachitgrün) ermittelt.

Gesundheitliche Bewertung der Ergebnisse des Nationalen Rückstandskontrollplanes 2003


Gesundheitliche Bewertung der Ergebnisse des Nationalen Rückstandskontrollplanes 2003 des Bundesinstituts für Risikobewertung

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