Navigation und Service

Nationale Berichterstattung Pflanzenschutzmittelrückstände in Lebensmitteln 2005

Zusammenfassung der Ergebnisse des Jahres 2005 aus Deutschland

Hintergrund

Dieser Bericht fasst die Ergebnisse von Untersuchungen zusammen, die im Jahr 2005 an Lebensmitteln tierischen Ursprungs, frischem und gefrorenem Obst, Gemüse und Getreide durchgeführt wurden. Eingeschlossen sind auch die Ergebnisse des auf die Richtlinien 86/362/EWG und 90/642/EWG gestützten koordinierten Kontrollprogramms der Europäischen Gemeinschaft zur Sicherung der Einhaltung der Rückstandshöchstgehalte von Schädlingsbekämpfungsmitteln auf und in Getreide und bestimmten anderen Erzeugnissen pflanzlichen Ursprungs. Die Lebensmittel und Stoffe, die im Rahmen dieses koordinierten Programms untersucht werden sollten, wurden in der Empfehlung 2005/178/EG der Kommission vom 1. März 2005 bekannt gegeben.

Berücksichtigt wurden alle Daten aus dem Beprobungszeitraum vom 01.Januar 2005 bis 31.Dezember 2005, die von den Untersuchungsanstalten der amtlichen Lebensmittel- und Veterinärüberwachung der 16 Länder an das BVL übermittelt worden sind.

Die detaillierten Tabellen zu den hier beschriebenen Auswertungen finden Sie hier.

Daten- und Probenumfang

 

Im Untersuchungsjahr 2005 wurden in Deutschland insgesamt 16.019 Proben von Lebensmitteln auf das Vorkommen von Pestizidrückständen geprüft (Monitoring-Programm: 2077 Proben, amtliche Lebensmittelüberwachung: 13.942 Proben). Für die Berichterstattung an die Kommission der Europäischen Gemeinschaft werden die Proben in "surveillance sampling" und "follow-up enforcement sampling" geteilt. Als "surveillance"- Proben werden die Plan- und Monitoring-Proben betrachtet. Als "follow-up" Proben gelten die Verdachts-, Beschwerde- und Verfolgsproben. Von den 16.019 Proben gehörten nur 529 Proben in die Kategorie „follow-up enforcement sampling“.

 

Die Kommission fasst die Ergebnisse der Einzelberichte aus den Mitgliedstaaten zusammen. Mit den aus Deutschland an die EU übermittelten Ergebnissen zu Pflanzenschutzmittelrückständen wird ein erheblicher Beitrag zu den Berichten der Kommission geleistet. Dies kann durch folgende Zahlen aus dem Bericht der Europäischen Kommission „Monitoring of Pesticide Residues in Products of Plant Origin in the European Union, Norway, Iceland and Liechtenstein 2004“ vom Oktober 2006 belegt werden:

 

  • 25% aller in dem Bericht dargestellten Proben wurden in Deutschland untersucht.
  • In keinem anderen Mitgliedstaat wurde auf so viele verschiedene Wirkstoffe untersucht wie in Deutschland (Deutschland: 595 Wirkstoffe, EU-Mittelwert: 169 Wirkstoffe). Dies Ergebnis zeigt das hohe Niveau der Untersuchungseinrichtungen in Deutschland.
  • 30% Prozent aller Analyseergebnisse (2.011.094 von 6.783.859) des Berichtes zu Obst und Gemüse kommen aus Deutschland.
  • Anzahl der Proben (Obst, Gemüse und Getreide) pro 100.000 Einwohner als Maß für die Dichte der Kontrollen auf Pflanzenschutzmittelrückstände: Deutschland: 17, EU-Mittelwert: 13 (zum Vergleich andere größere Mitgliedsstaaten: Frankreich: 8, Großbritannien: 5, Italien: 13, Spanien: 9)

Die für das Berichtsjahr 2005 übermittelten Daten verteilten sich auf 156 verschiedene Lebensmittel, wobei die Anzahl der Proben je Lebensmittel sehr unterschiedlich war. Siel lag zwischen einer Probe und 1517 Proben je Lebensmittel. Die Verteilung der Anzahl der Proben ist in Tabelle 1 dargestellt. Damit sind von 36 verschiedenen Lebensmitteln mehr als 100 Proben untersucht worden.

Tabelle 1: Verteilung der Anzahl der Proben 2005 je Lebensmittel
Anzahl der
Proben
Anzahl der
Lebensmittel
>= 10036
30  -  9928
10  -  2928
1  -   964

 

Von den untersuchten Lebensmittelproben waren 6833 deutschen und 8247 ausländischen Ursprungs. Bei 939 Proben wurde keine Angabe zur Herkunft übermittelt. Bei 407 Proben wurde als Herkunft „unbekanntes Ausland" angegeben. Die Importproben verteilten sich auf 75 Herkunftsstaaten. Die meisten stammen aus Spanien (2270 Proben), Italien (1550 Proben), den Niederlanden (766 Proben), Frankreich (402 Proben) und der Türkei (393 Proben).

Über die Hälfte der Proben (54,3%) wurden im Lebensmitteleinzelhandel genommen. Von herstellenden Betrieben (Landwirtschaft, Obst- und Gemüsebau, verarbeitende Betriebe) stammen 19,2% der Proben. Bei Großhändlern und Importeuren haben die Kontrolleure 18,4% gezogen. Bei 7,8% der Proben wurden keine Angaben zur Betriebsart zugeordnet.

 

Höchstmengen

 

Die Festsetzung von Höchstmengen für Pflanzenschutzmittelrückstände in Lebensmitteln orientiert sich in der Regel an der guten landwirtschaftlichen Praxis. Es handelt sich um die Menge an Pflanzenschutzmittelrückständen, die bei ordnungsgemäßer Anwendung durch den Landwirt auf dem Lebensmittel in der Regel nicht überschritten wird. Vor der Zulassung muss sichergestellt sein, dass bei dieser Konzentration keine Gefährdung der menschlichen Gesundheit vorliegt. Höchstmengen von Pflanzenschutzmittelrückständen stellen somit die Obergrenze der Rückstandsmengen dar, die in Erzeugnissen gefunden werden können, wenn die Erzeuger die Grundsätze der guten landwirtschaftlichen Praxis beachten. Es handelt sich meist nicht um toxikologische Grenzwerte. Eine Überschreitung der Rückstandshöchstmenge ist in der Regel nicht mit einer direkten Gefährdung der Gesundheit der Verbraucher gleichzusetzen. Trotzdem ist ein Lebensmittel mit Rückständen über der Höchstmenge nicht verkehrsfähig und darf im Handel nicht mehr angeboten werden.

 

Nach Artikel 50 Abs. 2 der Verordnung (EG) Nr. 178/2002 (der so genannten Basisverordnung) sind Informationen über das Vorhandensein eines ernsten unmittelbaren oder mittelbaren Risikos für die menschliche Gesundheit, das von Lebensmittel ausgeht, über das Schnellwarnsystem zu melden. Für die Rückstände von Pflanzenschutzmitteln gilt dabei:
nur wenn der gefundene Rückstandswert über der akuten Referenzdosis liegt, und eine Gefährdung des Verbrauchers „nicht ausgeschlossen werden kann“, wird eine Meldung an das Europäische Schnellwarnsystem (RASFF) übermittelt. Die akute Referenzdosis (ARfD) definiert diejenige Rückstandsmenge, die über die Nahrung innerhalb eines Tages oder mit einer Mahlzeit aufgenommen werden kann, ohne dass daraus ein Gesundheitsrisiko für den Ver­braucher entsteht. Bei Überschreitungen der Höchstmengen schätzt die zuständige Überwachungsbehörde das toxikologische Risiko ab. Im Jahr 2005 wurde aus Deutschland in 13 Fällen eine Meldung wegen Pflanzenschutzmittelrückständen an das Schnellwarnsystem übermittelt. Aus allen Mitgliedsstaaten der EG waren es insgesamt 72 Meldungen.

 

Lebensmittelbezogene Betrachtung

Von den untersuchten „surveillance sampling“- Proben enthielten 5.872 (37,9%) keine quantifizierbaren Rückstände, in 8.713 (56,2%) traten Rückstände mit Gehalten unterhalb der Höchstmengen auf. 905 Proben (5,8%) enthielten Rückstände mit Gehalten über den Höchstmengen.

Die Belastung der „follow-up enforcement sampling“ Proben war höher als die der „surveillance sampling“ Proben, da diese Proben aufgrund konkreter Verdachtsmomente erhoben wurden. Von den untersuchten Proben enthielten 184 (34,8%) keine quantifizierbaren Rückstände, in 296 (56,0%) traten Rückstände mit Gehalten unterhalb der Höchstmengen auf. 49 Proben (9,3%) enthielten Rückstände mit Gehalten über den geltenden Höchstmengen.

Ökologischer Landbau

Zum ersten Mal wurde in diesem Bericht eine Auswertung von Proben aus dem ökologischen Anbau durchgeführt. Bei den übermittelten Daten waren 796 Proben als Bio-Proben gekennzeichnet („follow-up“ und „surveillance sampling“- Proben zusammen). Die Belastung dieser Proben war deutlich niedriger als die der Gesamtheit der Proben. Von den untersuchten Proben enthielten 592 (74,4%) keine quantifizierbaren Rückstände, in 195 (24,5%) traten Rückstände mit Gehalten unterhalb der Höchstmengen auf. Nur neun Proben (1,1%) enthielten Rückstände mit Gehalten über den Höchstmengen.

Risikoorientierte Probennahme

Bei Betrachtung der oben genannten Zahlen muss berücksichtigt werden, dass sie als Ergebnis der Auswertung von größtenteils risikoorientiert genommenen Proben entstanden sind. Lebensmittel, die in der Vergangenheit auffällig geworden waren, wurden somit häufiger und mit höheren Probenzahlen untersucht als solche, bei denen man aus Erfahrung keine erhöhte Rückstandsbelastung erwartet. Aus diesem Grund darf man aus diesen Zahlen und Ergebnissen nicht auf die Belastung der Gesamtheit der auf dem Markt vorhandenen Lebensmittel schließen.

 

Die Tabelle 2 enthält die zugrunde liegenden Daten der „surveillance sampling“ Proben, getrennt nach den einzelnen Richtlinien.

Tabelle 2: Gesamtübersicht über die Ergebnisse 2005
Lebensmittelgruppen und
EG-Richtlinien

Proben

gesamt

 

Proben ohne Rückstände

(nicht bestimmbar)

Proben mit Rückständen bis einschließlich der HöchstmengeProben mit Rückständen über der Höchstmenge
Getreide - 86/362/EWG423

256

(60,5 %)

160

(37,8 %)

7

(1,7 %)

Lebensmittel tierischen Ursprungs - 86/362/EWG1746

742

(42,5 %)

986

(56,5 %)

18

(1,0 %)

Erzeugnisse pflanzlichen Ursprungs, einschließlich Obst und Gemüse - 86/362/EWG13039

4644

(35,6 %)

7515

(57,6 %)

880

(6,7 %)

Kleinkindernahrung282

230

(81,6 %)

52

(18,4 %)

0

(0 %)

Gesamt15490

5872

(37,9 %)

8713

(56,2 %)

905

(5,8 %)

 

Säuglings- und Kleinkindernahrung kann als nahezu rückstandsfrei betrachtet werden. Es wurden zwar in 18 Prozent der Proben quantifizierbare Rückstände gefunden, sie waren aber sehr gering. In keiner einzigen Probe wurde eine Höchstmenge überschritten.

Die Rückstandssituation bei Getreide ist ebenfalls positiv zu bewerten. 60 Prozent der Proben enthielt keine quantifizierbaren Rückstände. Höchstmengenüberschreitungen wurden nur bei weniger als zwei Prozent der Proben festgestellt.

Bei Lebensmitteln tierischen Ursprungs wurden zwar mehr als die Hälfte der Proben quantifizierbare Rückstände gemessen, sie waren jedoch meistens sehr gering. Gefunden wurden vor allem die persistenten und z.T. ubiquitär nachweisbaren chlororganischen Insektizide wie DDT, HCB und Lindan, die zwar seit langem in Deutschland nicht mehr angewendet werden dürfen, aber immer noch in der Lebensmittelkette vorhanden sind. Die gemessenen Rückstände sind meist auf Altlasten, vor allem in den Böden, zurückzuführen. Gelegentlich werden als Eintragsquelle auch Futtermittel aus Drittstaaten vermutet. Erfreulicherweise waren Höchstmengenüberschreitungen dieser persistenten Stoffe relativ selten. Eine Ausnahme bildet hier Lindan, bei dem die Höchstmenge in Milchprodukten mehrfach überschritten wurde. Die absolute Belastung hat sich in den letzten Jahren kaum verändert, jedoch war diese Höchstmenge im Jahr 2003 mit der 8. Verordnung zur Änderung der Rückstands-Höchst­mengenverordnung vom 5. November 2003 von 0,2 mg/kg auf 0,001 mg/kg um das Zweihundertfache abgesenkt worden. Da die Überschreitungen dieser neuen Höchstmenge relativ gering waren, wurde nach Rückfragen bei den Ländern bestätigt, dass aufgrund der analytischen Messunsicherheiten keine Beanstandungen erfolgten.

 

Differenzierter und teilweise ungünstiger ist die Rückstandslage bei Obst und Gemüse zu beurteilen. Neben Lebensmitteln, in denen keine bzw. nur wenige Höchstmengenüberschreitungen vorkamen, gab es auch solche mit zweistelligen prozentualen Anteilen an Proben mit Gehalten über der jeweiligen Höchstmenge. Erfreulicherweise wurden in vielen Produkten, deren Verbrauch besonders hoch ist, selten Höchstmengenüberschreitungen ermittelt. Darunter sind z.B. Äpfel, Birnen, Bananen, Karotten, Kartoffeln und Tomaten. In der Tabelle 3 sind die Lebensmittel zusammengefasst, bei denen in weniger als drei Prozent der Proben Höchstmengenüberschreitungen gemessen wurden (berücksichtigt wurden nur Lebensmittel, bei denen mindestens 30 Proben untersucht wurden).

Tabelle 3: Lebensmittel mit den wenigsten Höchstmengenüberschreitungen 2005
Lebensmittel

Anzahl der

untersuchten

Proben

Anteil der Proben mit Rückständen über der

Höchstmenge [%]

Heidelbeere790
Keltertrauben                               660
Kopfkohl                                    1280
Spargel                                     3030,3
Kartoffeln, gelagert                        5001,0
Kiwi                                        2601,5
Artischocke                                  561,8
Apfel                                       6962,0
Knollensellerie                             512,0
Mango                                       512,0
Banane                                      912,2
Broccoli                                     862,3
Karotte/Möhre                               4612,4
Mandarine                                   2322,6
Birne                                       4502,7
Tomate                                      6982,9

 

In einigen Obst- und Gemüsesorten wurden Höchstmengenüberschreitungen deutlich häufiger beobachtet. Zu den Proben mit einem Anteil Höchstmengenüberschreitungen von mehr als 10% gehören Rucola, Paprika, Aubergine, Tafeltraube, Johannisbeere, Zucchini, Feldsalat und Pfirsich. Die 10 Lebensmittel mit den häufigsten Höchstmengenüberschreitungen sind in der Tabelle 4 dargestellt (berücksichtigt wurden Lebensmittel, bei denen mindestens 100 Proben untersucht wurden).

Tabelle 4: Lebensmittel mit den meisten Höchstmengenüberschreitungen 2005
Lebensmittel

Anzahl der

untersuchten

Proben

Anteil der Proben mit Rückständen über der

Höchstmenge [%]

Rucola16829,2
Paprika83215,9
Aubergine11313,3
Tafeltraube123111,6
Johannisbeere (schwarz, rot und weiß)       20911,5
Zucchini14011,4
Feldsalat18910,6
Pfirsich38310,2
Kirsche1748,6
Bohnen mit Hülsen2358,1

 

 

Die in der Tabelle 4 aufgeführten zehn Lebensmittel (3674 Proben) repräsentieren 28% aller untersuchten Obst- und Gemüseproben. Sie wurden sehr oft untersucht, da in diesen Lebensmitteln am häufigsten erhöhte Rückstandsgehalte gefunden wurden. Sie repräsentieren dagegen nicht 28% des Marktanteiles. Somit tragen Proben mit erhöhten Rückstandsgehalten überproportional zum Gesamtergebnis der Untersuchungen bei. Deswegen darf man aus der in Tabelle 2 genannten Zahl von 6,7% der Proben mit Rückstandsgehalten über der Höchstmenge nicht auf die Gesamtheit der auf dem Markt vorhandenen pflanzlichen Lebensmittel übertragen.

 

Die Rückstandssituation für einzelne Lebensmittel ist oft vom Herkunftsstaat abhängig. So enthielten z.B. nur 1,5% der Paprikaproben aus den Niederlanden Rückstandsgehalte über der Höchstmenge; der Durchschnitt aller Staaten lag bei 15,9%. Bei Tafeltrauben aus Südafrika gab es nur bei 3,3% der Proben Höchstmengenüberschreitungen; der Durchschnitt aller Staaten lag hier bei 11,6%.

 

Eine ausführliche Darstellung der Datenlage nach Lebensmitteln, alphabetisch sortiert, zusammengefasst nach den Richtlinien 86/362/EWG, 86/363/EWG und 90/642/EWG, enthalten die Tabellen „Lebensmittelbezogene Darstellung der Proben - surveillance sampling“, „Lebensmittelbezogene Darstellung der Proben - follow-up enforcement sampling“ und „Lebensmittelbezogene Darstellung der Proben – Bio-Proben“.

 

 

Betrachtung der importierten Produkte

 

Bei importiertem Obst und Gemüse wurden die Höchstmengen häufiger als bei in Deutschland produziertem überschritten (Deutschland: 3,8%, andere EU-Staaten: 8,4%, Drittstaaten: 10,4%). Der größere Anteil an Proben mit Höchstmengenüberschreitungen bei importierten Proben resultiert teilweise aus der unterschiedlichen Gesetzeslage der Herkunftsstaaten. In einigen sind die gesetzlichen Höchstmengen bei bestimmten Wirkstoffen höher als in Deutschland. Ungefähr 2/3 der Überschreitungen bei den Importproben betraf Höchstmengen, die noch nicht EG-weit harmonisiert sind und in Deutschland oft, wegen fehlender Zulassung auf den Vorsorgewert von 0,01 mg/kg festgelegt sind. Würde man an dieser Stelle die in den jeweiligen Herkunftsstaaten geltenden Höchstmengen berücksichtigen, würde sich der Anteil der Proben mit Höchstmengenüberschreitungen dem deutschen Niveau nähern. Mit der Vollendung der Harmonisierung der Höchstmengen durch die Verordnung (EG) Nr. 396/2005 wird eine einheitliche Grundlage für die Bewertung der Rückstandssituation in der Europäischen Gemeinschaft geschaffen werden.

Der Anteil an Proben mit quantifizierbaren Rückständen war bei den Importen höhere als bei den deutschen Produkten. Eine der Ursachen dafür liegt möglicherweise in den klimatischen Bedingungen in den Herkunftsstaaten, die teilweise einen stärkeren Einsatz von Pflanzenschutzmitteln erfordern.

 

Eine ausführliche Darstellung der Belastung der einzelnen Lebensmittel nach Herkunftsstaaten, alphabetisch sortiert und nach den Richtlinien 86/362/EWG, 86/363/EWG und 90/642/EWG zusammengefasst, enthält die Tabelle „Lebensmittel- und herkunftsbezogene Darstellung der Proben“.

 

 

Wirkstoffbezogene Betrachtung

 

Zu den untersuchten 16.019 Lebensmittelproben wurden insgesamt 2.757.078 einzelne Analysenergebnisse übermittelt. Die Proben wurden insgesamt auf 674 verschiedene Pflanzenschutzmittel untersucht (summengeregelte Wirkstoffe werden hier als ein Wirkstoff gezählt), wobei keine Probe auf das gesamte Stoffspektrum untersucht worden ist. Einige Stoffe wurden nur in einzelnen bzw. in wenigen Proben untersucht. Durchschnittlich wurden 172 Stoffe pro Probe untersucht. 112 Wirkstoffe wurden in mehr als 10.000 Proben untersucht, 217 Wirkstoffe in weniger als 1.000 Proben. Für 345 Wirkstoffe lag die Anzahl der Proben, in denen sie untersucht wurden zwischen 1.000 und 10.000. Bei 362 Stoffen (53,7%) wurden keine quantifizierbaren Gehalte gefunden. 312 Stoffe (46,3%) wurden in mindestens einer Probe quantifiziert. Bei 156 Stoffen (23,1%) traten Gehalte oberhalb der Höchstmengen auf. Tabelle 5 fasst diese Angaben getrennt nach den einzelnen Richtlinien zusammen.

Tabelle 5: Gesamtübersicht über die untersuchten Stoffe 2005

 

Lebensmittelgruppen und
EG-Richtlinien

Anzahl der

untersuchten

Wirkstoffe

Anzahl der Wirkstoffe ohne

quantifizierbare

Rückstände

Anzahl der Wirkstoffe mit

quantifizierbaren Rückständen

Getreide – RL 86/362/EWG

 

558

529

(94,8%)

29

(5,2%)

Lebensmittel tierischen Ursprungs - RL 86/363/EWG474

449

(94,7%)

25

(5,5%)

Erzeugnisse pflanzlichen Ursprungs, einschließlich Obst und Gemüse – RL 90/642/EWG636

341

(53,6%)

295

(46,4%)

Kleinkindernahrung468

448

(95,7%)

20

(4,3%)

 

Bei der Betrachtung der Höchstmengenüberschreitungen entsprechend der Vorgaben der Europäischen Kommission für die Berichterstattung wurden nur die numerischen Messwerte ohne Berücksichtigung der analytischen Streubreiten (Messunsicherheiten) herangezogen. Die gemessenen Rückstände wurden mit den Höchstmengen aus der Rückstands-Höchstmengenverordnung (RHmV) verglichen. Bei den in Frage kommenden Lebensmittel/Wirkstoffkombinationen wurden die Höchstmengen aus den Allgemeinverfügungen nach § 54 Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch berücksichtigt. Bevor eine Beanstandung von Proben erfolgen kann, sind seitens der Lebensmittelüberwachung die analytischen Messunsicherheiten zu berücksichtigen, da sie im Falle eines Gerichtsverfahrens ansonsten keinen Bestand hätten. Eine Beanstandung erfolgt deshalb in der Regel erst, wenn nach dem Abzug einer Schwankungsbreite von 60% der Wert noch immer über der Höchstmenge liegt.

 

Insgesamt wurden 1.117 Höchstmengenüberschreitungen festgestellt. Nach Berücksichtigung einer Messunsicherheit von 60% wären nur 525 der Überschreitungen zu beanstanden (bei 53% der Höchstmengenüberschreitungen lag der Rückstandsgehalt nach Abzug des Streubereiches unter der Höchstmenge). Die Wirkstoffe mit den häufigsten Höchstmengenüberschreitungen sind in Tabelle 6 zusammengefasst.

Tabelle 6: Wirkstoffe mit den häufigsten Höchstmengenüberschreitungen 2005
Wirkstoff

Anzahl der

untersuchten

Proben

Anzahl der Proben mit Rückständen über der

Höchstmenge

Acetamiprid*822895
Lufenuron*683570
Dimethoat, Summe1294447
Acrinathrin*1064140
Bromid, Gesamt*105832
Methomyl, Summe949132
Oxydemeton-S-methyl, Summe1162931
Imazalil1273729
Chlorpyrifos1274625
Flufenoxuron*826623

* für diese Wirkstoffe gilt eine nationale (deutsche) Höchstmenge (noch nicht harmonisiert)

 

Diese zehn aufgeführten Wirkstoffe waren für 38% (424 von 1117) aller Höchstmengenüberschreitungen verantwortlich. Bei Wirkstoffen, für die eine noch nicht in der EU harmonisierte, nationale Höchstmenge galt, waren die Höchstmengen in den Herkunftsstaaten der Proben in der Regel höher als in Deutschland. Würde man an dieser Stelle die in den jeweiligen Herkunftstaaten geltenden Höchstmengen berücksichtigen, würde ein Großteil der Höchstmengenüberschreitungen für diese Wirkstoffe entfallen.

 

 

Auftreten von Mehrfachrückständen

 

In 41,5% der Proben des Jahres 2005 wurde mehr als ein Wirkstoffrückstand in quantifizierbarer Menge gefunden. Als mögliche Quellen der Mehrfachrückstände können folgende Gründe genannt werden:

  • Zusammensetzung einer Probe aus Bestandteilen unterschiedlicher Partien,
  • Anwendung von Kombinationspräparaten mit mehreren Wirkstoffen,
  • Anwendung unterschiedlicher Wirkstoffe während der Wachstumsphase für die Bekämpfung verschiedener Schadorganismen,
  • gezielter Wirkstoffwechsel, um der Entwicklung von Resistenzen bei Schaderregern entgegen zu wirken,
  • Anwendungen auch während der Lagerung und/oder beim Transport.

 

Ebenfalls ist es möglich, dass die gute landwirtschaftliche Praxis bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln nicht ausreichend angewendet wurde. Werden in einer Probe mehrere Pflanzenschutzmittel mit dem gleichen Wirkungsmechanismus gefunden, so liegt der Verdacht nahe, dass von einigen Produzenten unterschiedliche Substanzen verwendet werden, um die Höchstmengen für einzelne Pflanzenschutzmittel zu umgehen.

 

Detaillierte Angaben über die Mehrfachrückstände in den einzelnen Lebensmitteln enthält die Tabelle „Anzahl der Rückstände und deren Häufigkeiten in den untersuchten Lebensmitteln“.



Auch bei den Mehrfachrückständen gab es Unterschiede zwischen den einzelnen Obst- oder Gemüsearten. Die zehn Produkte mit den meisten Mehrfachrückständen („surveillance sampling“- Proben) sind in der Tabelle 7 dargestellt (berücksichtigt wurden Lebensmittel, bei denen mindestens 100 Proben untersucht wurden).

Tabelle 7: Lebensmittel mit den meisten Mehrfachrückständen 2005
LebensmittelAnzahl
der
Proben
Proben mit Mehrfach­rückständen in %Max. Anzahl der
Rückstände
Mandarine                 23277,610
Orange                    31271,28
Tafeltraube               123170,423
Johannisbeere             20966,514
Erdbeere                  145664,113
Birne                     45060,414
Pfirsich                  38359,011
Kirsche                   17451,711
Zitrone                   23051,313
Rucola                    16851,210

 

Fünf der in der Tabelle 7 aufgeführten Lebensmittel waren auch unter den „Top 10“ bei den Höchstmengenüberschreitungen: Johannisbeere, Kirsche, Pfirsich, Rucola und Tafeltraube.

Für die toxikologische Bewertung von Mehrfachrückständen sind noch keine allgemein anerkannten Methoden vorhanden. Derartige Methoden werden aber zurzeit entwickelt. Bei Stoffen, die einen einheitlichen Wirkungsmechanismus haben und additiv wirken, soll eine gemeinsame Bewertung durchgeführt werden. Bei einigen wenigen Wirkstoffgruppen sind bereits Summenhöchstwerte festgelegt worden. Bei Stoffen mit unterschiedlichen Wirkungsmechanismen sollen potentielle Wechselwirkungen analysiert werden. Eine detaillierte Prüfung wird aber schwierig sein, weil die gefundenen Mehrfachrückstände aufgrund der Vielzahl eingesetzter Wirkstoffe sehr unterschiedliche Zusammensetzungen haben.

Das Thema „Mehrfachrückstände“ wurde umfangreich im November 2005 bei dem „Zweiten Forum Verbraucherschutz“ im Bundesinstitut für Risikobewertung diskutiert. Die Vorträge und Präsentationen stehen hier online zur Verfügung.

Die Auswertungen der Daten für den Bericht an die Europäische Kommission wurden nach den Vorgaben des „Guidance for Reporting the Results of the 2005 National and Community Monitoring Programmes to the European Commission“ vom 24. März 2006 durchgeführt.


Two clicks for more safety: The element will be activated only after operating the slide control. Data protection information: By activating this external link you will leave the BVL website. We have no influence on the contents of the following website, in particular not on the protection of your personal data. For more information please see our data protection declaration, which you can find here.


© 2018 Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit