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Nationale Berichterstattung Pflanzenschutzmittelrückstände in Lebensmitteln 2006

Zusammenfassung der Ergebnisse des Jahres 2006 aus Deutschland

Bild von Obst und Gemüse (Quelle: Hoffmann / BVL).© Hoffmann / BVL

Hintergrund

Dieser Bericht fasst die Ergebnisse von Untersuchungen zusammen, die im Jahr 2006 an Lebensmitteln tierischen Ursprungs, frischem und gefrorenem Obst, Gemüse und Getreide durchgeführt wurden. Eingeschlossen sind auch die Ergebnisse des auf die Richtlinien 86/362/EWG und 90/642/EWG gestützten koordinierten Überwachungsprogramms der Europäischen Gemeinschaft für die Einhaltung der Höchstgehalte von Pestizidrückständen in oder auf Getreide und bestimmten anderen Erzeugnissen pflanzlichen Ursprungs. Die  Ergebnisse der koordinierten Überwachungsprogramme sollen die Abschätzung der Pestizidexposition in der Europäischen Union durch Aufnahme über die Nahrung ermöglichen. Die Lebensmittel und Wirkstoffe, die im Rahmen dieses koordinierten Programms untersucht werden sollten, wurden in der Empfehlung 2006/26/EG der Kommission vom 18. Januar 2006 bekannt gegeben.


Berücksichtigt für die Nationale Berichterstattung wurden alle Daten aus dem Beprobungszeitraum vom 01.01.2006 bis 31.12.2006, die von den Untersuchungseinrichtungen der amtlichen Lebensmittel- und Veterinärüberwachung der 16 Länder an das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) übermittelt worden sind. An der Datenübermittlung beteiligten sich 38 Untersuchungsämter. Alle diese Untersuchungsämter sind nach ISO 17025 akkreditiert und weisen ihre Leistungsfähigkeit durch regelmäßige Teilnahme an nationalen und/oder internationalen Ringversuchen nach.


Die detaillierten Tabellen zu den hier beschriebenen Auswertungen finden Sie hier oder unter dem Link "Tabellen zur Nationalen Berichterstattung Pflanzenschutzmittelrückstände 2006" am Ende dieser Seite.

Daten- und Probenumfang

 

Im Untersuchungsjahr 2006 wurden in der Bundesrepublik Deutschland insgesamt 17.535 Proben von Lebensmitteln auf das Vorkommen von Pestizidrückständen geprüft (Monitoring-Programm: 2.272 Proben, amtliche Lebensmittelüberwachung: 15.263 Proben). Für die Berichterstattung an die Kommission der Europäischen Gemeinschaft werden die Proben in "surveillance sampling" und "follow-up enforcement sampling" geteilt. Als "surveillance" - Proben werden die Plan- und die Monitoring-Proben betrachtet. Als "follow-up enforcement sampling" Proben gelten die Verdachts-, Beschwerde- und Verfolgsproben. Von den 17.535  Proben gehörten nur 594 Proben in die Kategorie "follow-up enforcement sampling".

Die Lebensmittel des koordinierten Überwachungsprogramms umfassten 2897 Proben.

Die Kommission fasst die Ergebnisse der Einzelberichte aus den Mitgliedstaaten zusammen. Mit den aus Deutschland an die EU übermittelten Ergebnissen zu Pflanzenschutzmittelrückständen wird ein erheblicher Beitrag zu den Berichten der Kommission geleistet. Dies kann durch folgende Zahlen aus dem Bericht der Europäischen Kommission „Monitoring of Pesticide Residues in Products of Plant Origin in the European Union, Norway, Iceland and Liechtenstein 2005“ vom 17. Oktober 2007 belegt werden:

 

  • 24,3 % aller in dem Bericht dargestellten Proben wurden in Deutschland untersucht
  • Anzahl der Proben (Obst, Gemüse und Getreide) pro 100.000 Einwohner: Deutschland: 17, EU-Mittelwert: 13,5  (zum Vergleich andere „größere“ Mitgliedstaaten: Frankreich: 7, Großbritannien: 5, Italien: 12, Polen: 3, Spanien: 11)
  • in keinem anderen Mitgliedstaat wurde auf so viele Pestizide untersucht wie in Deutschland (Deutschland: 631 Wirkstoffe, EU-Mittelwert: 184 Wirkstoffe)
  • Mittelwert der Anzahl der untersuchten Wirkstoffe je Probe -  Deutschland: 172,
    EU: 146, EU ohne Deutschland: 131)
  • 32,6 % aller Analyseergebnisse (2.491.255 von 7.639.383) des Berichtes für Obst und Gemüse kommen aus Deutschland

In Deutschland leben 18 Prozent (83 Millionen) der Bevölkerung der Europäischen Union von insgesamt 457 Millionen.

 

Die für das Berichtsjahr 2006 übermittelten Daten verteilen sich auf 152 verschiedene Lebensmittel, wobei die Anzahl der Proben je Lebensmittel sehr unterschiedlich ist. Sie lag zwischen einer Probe und 1.484 Proben je Lebensmittel. Die Verteilung der Anzahl der Proben ist in der Tabelle 1 dargestellt. Damit sind zu 43 verschiedenen Lebensmitteln mehr als 100 Proben untersucht worden.

Tabelle 1: Verteilung der Anzahl der Proben 2006 je Lebensmittel
Anzahl der ProbenAnzahl der Lebensmittel
>= 10043
30  -  9931
10  -  2924
1  -   954

 

Am häufigsten untersucht wurden Erdbeeren (1.484 Proben), Paprika (1.030 Proben), Tafeltrauben (1.001 Proben), Äpfel (948 Proben) und Salat (897 Proben).

Von den untersuchten Lebensmittelproben waren 7.459 deutschen und 9.352 ausländischen Ursprungs. Bei 724 Proben wurde keine Angabe zur Herkunft übermittelt. Bei 479 Proben wurde als Herkunft „unbekanntes Ausland" angegeben. Die Importproben verteilten sich auf 77 Herkunftsstaaten. Die meisten stammen aus Spanien (2.466 Proben), Italien (1.727 Proben), den Niederlanden (897 Proben), Frankreich (555 Proben) und der Türkei (325 Proben).

Über die Hälfte der Proben (55,8 %) wurden im Lebensmitteleinzelhandel genommen. Von herstellenden Betrieben (Landwirtschaft, Obst- und Gemüsebau, verarbeitende Betriebe) stammten 19,0 % der Proben. Bei Großhändlern und Importeuren haben die Kontrolleure 18,7 % gezogen. Bei 6,6 % der Proben wurden keine Angaben zur Betriebsart zugeordnet.

 

Höchstmengen

 

Die Festsetzung von Höchstmengen für Pflanzenschutzmittelrückstände in Lebensmitteln orientiert sich in der Regel an der guten landwirtschaftlichen Praxis. Es handelt sich um die Menge an Pflanzenschutzmittelrückständen, die bei ordnungsgemäßer Anwendung durch den Landwirt auf dem Lebensmittel in der Regel nicht überschritten wird. Vor der Zulassung muss sichergestellt sein, dass bei dieser Konzentration keine Gefährdung der menschlichen Gesundheit vorliegt. Höchstmengen von Pflanzenschutzmittelrückständen stellen somit die Obergrenze der Rückstandsmengen dar, die in Erzeugnissen gefunden werden können, wenn die Erzeuger die Grundsätze der guten landwirtschaftlichen Praxis beachten. Es handelt sich meist nicht um toxikologische Grenzwerte. Eine Überschreitung der Rückstandshöchstmenge ist in der Regel nicht mit einer direkten Gefährdung der Gesundheit der Verbraucher gleichzusetzen. Trotzdem ist ein Lebensmittel mit Rückständen über der Höchstmenge nicht verkehrsfähig und darf im Handel nicht mehr angeboten werden.

 

Nach Artikel 50 Abs. 2 der Verordnung (EG) Nr. 178/2002 (der so genannten Basisverordnung) sind Informationen über das Vorhandensein eines ernsten unmittelbaren oder mittelbaren Risikos für die menschliche Gesundheit, das von Lebensmittel ausgeht, über das Europäische Schnellwarnsystem (RASFF) zu melden. Für die Rückstände von Pflanzenschutzmitteln gilt dabei: nur wenn der gefundene Rückstandswert über der akuten Referenzdosis (ARfD) liegt bzw. die vertretbare Tagesdosis (ADI) deutlich überschritten wird und eine Gefährdung des Verbrauchers „nicht ausgeschlossen werden kann“, wird eine Meldung an das Europäische Schnellwarnsystem übermittelt. Die akute Referenzdosis (ARfD) definiert diejenige Rückstandsmenge, die über die Nahrung innerhalb eines Tages oder mit einer Mahlzeit aufgenommen werden kann, ohne dass daraus ein Gesundheitsrisiko für den Verbraucher entsteht. Die vertretbare Tagesdosis (ADI – Acceptable Daily Intake) bezeichnet die geschätzte Menge eines Stoffes in einem Lebensmittel, die ein Leben lang täglich ohne nennenswertes Risiko für jeden Verbraucher aufgenommen werden kann. Bei Überschreitungen der Höchstmengen schätzt die zuständige Überwachungsbehörde das toxikologische Risiko ab. Im Jahr 2006 wurde aus Deutschland in 14 Fällen eine Meldung wegen Pestizidrückstände an das Schnellwarnsystem übermittelt. Aus allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union waren es insgesamt 94 Meldungen, die 3,2 % aller Meldungen (2947) an das RASFF darstellen. Das bedeutet, dass Rückstände von Pflanzenschutzmitteln selten als gesundheitliches Risiko bewertet wurden.

 

Lebensmittelbezogene Betrachtung

Von den untersuchten „surveillance sampling“- Proben enthielten 6.461 (38,1%) keine quantifizierbaren Rückstände, in 9.580 (56,5%) traten Rückstände mit Gehalten unterhalb der Höchstmengen auf. 900 Proben (5,3%) enthielten Rückstände mit Gehalten über den Höchstmengen.

Die Belastung der „follow-up enforcement sampling“ Proben war höher als die der „surveillance sampling“ Proben, da diese Proben aufgrund konkreter Verdachtsmomente erhoben wurden. Von den untersuchten Proben enthielten 204 (34,3%) keine quantifizierbaren Rückstände, in 342 (57,6%) traten Rückstände mit Gehalten unterhalb der Höchstmengen auf. 48 Proben (8,1%) enthielten Rückstände mit Gehalten über den geltenden Höchstmengen.

Wie bereits im Vorjahr wurde auch im Berichtsjahr 2006 eine Auswertung von Proben aus dem ökologischen Anbau durchgeführt. Bei den übermittelten Daten waren 789 Obst und Gemüse Proben als Bio-Proben gekennzeichnet („follow-up“ und „surveillance sampling“- Proben zusammen). Die Belastung dieser Proben war deutlich niedriger als diejenige der Gesamtheit der Proben. Von den untersuchten Proben enthielten 560 (71,0 %) keine quantifizierbaren Rückstände, in 224 (28,4 %) traten Rückstände mit meistens sehr geringen Gehalten unterhalb der Höchstmengen auf, die für konventionell erzeugte Produkte gelten. Nur 5 Proben (0,6 %) enthielten Rückstände mit Gehalten über den Höchstmengen.

 

Bei Betrachtung der oben genannten Zahlen muss berücksichtigt werden, dass sie als Ergebnis der Auswertung von größtenteils risikoorientiert genommenen Proben entstanden sind. Lebensmittel, die in der Vergangenheit auffällig geworden waren, wurden somit häufiger und mit höheren Probenzahlen untersucht als solche, bei denen man aus Erfahrung keine erhöhte Rückstandsbelastung erwartet. Aus diesem Grund darf man aus diesen Zahlen und Ergebnissen nicht auf die Belastung der Gesamtheit der auf dem Markt vorhandenen Lebensmittel schließen.

 

Die Tabelle 2 enthält die zugrunde liegenden Daten der „surveillance sampling“ Proben, getrennt nach den einzelnen Richtlinien.

Tabelle 2: Gesamtübersicht über die Ergebnisse 2006
Lebensmittelgruppen und
EG-Richtlinien

Proben

gesamt

 

Proben ohne Rückstände

(nicht bestimmbar)

Proben mit Rückständen bis einschließlich der HöchstmengeProben mit Rückständen über der Höchstmenge
Getreide - 86/362/EWG508

283

(55,7 %)

224

(44,1 %)

1

(0,2 %)

Lebensmittel tierischen Ursprungs - 86/362/EWG1823

889

(48,8 %)

926

(50,8 %)

8

(0,4 %)

Erzeugnisse pflanzlichen Ursprungs, einschließlich Obst und Gemüse - 90/642/EWG14434

5124

(35,5 %)

8419

(58,3 %)

891

(6,2 %)

Kleinkindernahrung176

165

(93,8 %)

11

(6,3 %)

0

(0 %)

Gesamt16941

6461

(38,1 %)

9580

(56,5 %)

900

(5,3 %)

 

Säuglings- und Kleinkindernahrung kann als nahezu rückstandsfrei betrachtet werden. Es wurden zwar in 6 Prozent der Proben quantifizierbare Rückstände gefunden, sie waren aber sehr gering. In keiner einzigen Probe wurde eine Höchstmenge überschritten.

Die Rückstandssituation bei Getreide ist ebenfalls positiv zu bewerten. 57 Prozent der Proben enthielt keine quantifizierbaren Rückstände. Höchstmengenüberschreitungen wurden nur in einer Probe festgestellt.

Bei Lebensmitteln tierischen Ursprungs wurden zwar mehr als die Hälfte der Proben quantifizierbare Rückstände gemessen, sie waren jedoch meistens sehr gering. Gefunden wurden vor allem die persistenten und z.T. ubiquitär nachweisbaren chlororganischen Insektizide wie DDT, HCB und Lindan, die zwar seit langem in Deutschland nicht mehr angewendet werden dürfen, aber immer noch in der Lebensmittelkette vorhanden sind. Die gemessenen Rückstände sind meist auf Altlasten, vor allem in den Böden, zurückzuführen. Gelegentlich werden als Eintragsquelle auch Futtermittel aus Drittstaaten vermutet. Erfreulicherweise waren Höchstmengenüberschreitungen dieser persistenten Stoffe sehr selten - in nur 0,4 Prozent der Proben.


Differenzierter und teilweise ungünstiger ist die Rückstandslage bei Obst und Gemüse zu beurteilen. Neben Lebensmitteln, in denen keine bzw. nur wenige Höchstmengenüberschreitungen vorkamen, gab es auch solche mit zweistelligen prozentualen Anteilen an Proben mit Gehalten über der jeweiligen Höchstmenge. Erfreulicherweise wurden in vielen Produkten, deren Verbrauch besonders hoch ist, selten Höchstmengenüberschreitungen ermittelt. Darunter sind z.B. Äpfel, Birnen, Bananen, Karotten, Kartoffeln und Tomaten. In der Tabelle 3 sind die Lebensmittel zusammengefasst, bei denen in weniger als drei Prozent der Proben Höchstmengenüberschreitungen gemessen wurden (berücksichtigt wurden nur Lebensmittel, bei denen mindestens 30 Proben untersucht wurden).

 

Tabelle 3: Obst und Gemüse mit den wenigsten Höchstmengenüberschreitungen 2006
Lebensmittel

 

Anzahl der

untersuchten

Proben

 

Anteil der Proben mit Rückständen über der

Höchstmenge [%]

Chicoree430
Heidelbeere790
Rhabarber510
Rosenkohl740
Wildwachsende Pilze330
Spargel3420,3
Kartoffeln, gelagert5430,4
Apfel8801,0
Zwiebel961,0
Birne4461,3
Kartoffeln, früh801,3
Banane1471,4
Radieschen, Rettich731,4
Zuchtpilz1451,4
Tomate6741,6
Kiwi1551,9
Fenchel512,0
Karotte/Möhre3382,1
Keltertrauben482,1
Kopfkohl452,2
Porree852,4
Zitrone2402,5
Spinat762,6

In einigen Obst- und Gemüsearten wurden Höchstmengenüberschreitungen deutlich häufiger beobachtet. Die 10 Lebensmittel mit den häufigsten Höchstmengenüberschreitungen sind in der Tabelle 4 dargestellt (berücksichtigt wurden Lebensmittel, bei denen mindestens 100 Proben untersucht wurden).

Tabelle 4: Obst und Gemüse mit den häufigsten Höchstmengenüberschreitungen 2006
Lebensmittel

Anzahl der

untersuchten

Proben

Anteil der Proben mit Rückständen über der

Höchstmenge [%]

Rucola29526,1
Paprika97011,1
Aubergine14811,5
Frische Kräuter18421,2
Johannisbeere (schwarz, rot und weiß)       26911,5
Zucchini15412,3
Feldsalat20913,4
Kakifrucht10511,4
Himbeere14110,6
Bohnen mit Hülsen17112,3

 

 

Die in der Tabelle 4 aufgeführten 10 Lebensmittel (2646 Proben) repräsentieren 18,3 % aller untersuchten Obst- und Gemüseproben. Sie wurden sehr oft untersucht, da in diesen Lebensmitteln am häufigsten erhöhte Rückstandsgehalte gefunden wurden. Sie repräsentieren dagegen nicht 18,3 % des Marktanteiles. Somit tragen Proben mit erhöhten Rückstandsgehalten überproportional zum Gesamtergebnis der Untersuchungen bei. Deswegen darf man aus der in Tabelle 2 genannten Zahl von 6,2 % der Proben mit Rückstandsgehalten über der Höchstmenge nicht auf die Gesamtheit der auf dem Markt vorhandenen pflanzlichen Lebensmittel schließen.

 

Die Rückstandssituation für einzelne Lebensmittel ist oft vom Herkunftsstaat abhängig. So enthielten z.B. nur 2,6 % der Paprikaproben aus den Niederlanden Rückstandsgehalte über der Höchstmenge; der Durchschnitt aus allen Staaten lag bei 11,1 %. Bei Tafeltrauben aus Südafrika gab es nur bei 2,0 % der Proben Höchstmengenüberschreitungen; der Durchschnitt über alle Herkünfte lag hier bei 8,1 %. Bei Erdbeeren enthielten lediglich 1,1 % der Proben aus Deutschland Rückstandsgehalte über der Höchstmenge; der Durchschnitt aller Proben lag  bei 4,6 %.

 

Eine ausführliche Darstellung der Datenlage nach Lebensmitteln, alphabetisch sortiert, zusammengefasst nach den Richtlinien 86/362/EWG, 86/363/EWG und 90/642/EWG, enthalten die Tabellen „Lebensmittelbezogene Darstellung der Proben - surveillance sampling“, „Lebensmittelbezogene Darstellung der Proben - follow-up enforcement sampling“ und „Lebensmittelbezogene Darstellung der Proben – Bio-Proben“.

 

 

Betrachtung der importierten Produkte

 

Bei importiertem Obst und Gemüse wurden die Höchstmengen häufiger als bei in Deutschland produziertem überschritten (Deutschland: 3,9%, andere EU-Staaten: 6,5%, Drittstaaten: 10,0%). Der größere Anteil an Proben mit Höchstmengenüberschreitungen bei importierten Proben resultiert teilweise aus der unterschiedlichen Gesetzeslage der Herkunftsstaaten. In einigen sind die gesetzlichen Höchstmengen bei bestimmten Wirkstoffen höher als in Deutschland. 58% der Überschreitungen bei den Importproben betrafen Höchstmengen, die noch nicht EG-weit harmonisiert sind und in Deutschland oft wegen fehlender Zulassung auf den Vorsorgewert von 0,01 mg/kg festgelegt sind. Würde man an dieser Stelle die in den jeweiligen Herkunftsstaaten geltenden Höchstmengen berücksichtigen, würde sich der Anteil der Proben mit Höchstmengenüberschreitungen dem deutschen Niveau nähern. Mit der Vollendung der Harmonisierung der Höchstmengen durch die Verordnung (EG) Nr. 396/2005 wird eine einheitliche Grundlage für die Bewertung der Rückstandssituation in der Europäischen Gemeinschaft geschaffen werden.

Der Anteil an Proben mit quantifizierbaren Rückständen war bei den Importen kleiner als bei den deutschen Produkten. Eine der Ursachen dafür liegt sicher in den klimatischen Bedingungen in den Herkunftsstaaten, die teilweise einen stärkeren Einsatz von Pestiziden zum Schutz der Pflanzen erfordern.

 

Eine ausführliche Darstellung der Belastung der einzelnen Lebensmittel nach Herkunftsstaaten, alphabetisch sortiert und nach den Richtlinien 86/362/EWG, 86/363/EWG und 90/642/EWG zusammengefasst, enthält die Tabelle „Lebensmittel- und herkunftsbezogene Darstellung der Proben“ (siehe Link, weiter unten).

 

 

Wirkstoffbezogene Betrachtung

 

Zu den im Jahr 2006 untersuchten 17.535 Lebensmittelproben wurden insgesamt 3.446.011 einzelne Analysenergebnisse übermittelt. Die Proben wurden insgesamt auf 717 verschiedene Wirkstoffe untersucht, wobei keine Probe auf das gesamte Stoffspektrum untersucht worden ist. Einige Substanzen wurden nur in einzelnen bzw. in wenigen Proben untersucht. Durchschnittlich wurden 197 Wirkstoffe pro Probe untersucht. 155 Wirkstoffe wurden in mehr als 10.000 Proben untersucht, 206 Wirkstoffe in weniger als 1000 Proben. Für 356 Wirkstoffe lag die Anzahl der Proben, in denen sie untersucht wurden zwischen 1000 und 10.000. Bei 394 Wirkstoffen (55 %) wurden keine quantifizierbaren Gehalte gefunden. 323 Wirkstoffe (45 %) wurden in mindestens einer Probe quantifiziert. Bei 158 Wirkstoffen (22 %) traten Gehalte oberhalb der Höchstmengen auf. Tabelle 5 fasst diese Angaben getrennt nach den einzelnen Richtlinien zusammen.

Tabelle 5: Gesamtübersicht über die untersuchten Stoffe 2006

 

Lebensmittelgruppen und
EG-Richtlinien

Anzahl der

untersuchten

Wirkstoffe

Anzahl der Wirkstoffe ohne

quantifizierbare

Rückstände

Anzahl der Wirkstoffe mit

quantifizierbaren Rückständen

Getreide – RL 86/362/EWG

 

652

623

(95,6%)

29

(4,4%)

Lebensmittel tierischen Ursprungs - RL 86/363/EWG465

445

(95,7%)

20

(4,3%)

Erzeugnisse pflanzlichen Ursprungs, einschließlich Obst und Gemüse – RL 90/642/EWG683

370

(54,2%)

313

(45,8%)

Kleinkindernahrung499

489

(98,0%)

10

(2,0%)

 

Es sei darauf hingewiesen, dass bei Betrachtung der Höchstmengenüberschreitungen entsprechend der Vorgaben der Europäischen Kommission für die Berichterstattung nur die numerischen Messwerte ohne Berücksichtigung der analytischen Streubreiten (Messunsicherheiten) herangezogen wurden. Die gemessenen Rückstände wurden mit den Höchstmengen aus der Rückstands-Höchstmengenverordnung (RHmV) verglichen. Bei den in Frage kommenden Lebensmittel/Wirkstoffkombinationen wurden die Höchstmengen aus den Allgemeinverfügungen nach § 54 Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch berücksichtigt. Bevor eine Beanstandung von Proben erfolgen kann, sind seitens der Lebensmittelüberwachung die analytischen Messunsicherheiten zu berücksichtigen, da sie im Falle eines Gerichtsverfahrens ansonsten keinen Bestand hätten. Eine Beanstandung erfolgt deshalb in der Regel erst, wenn nach dem Abzug einer Schwankungsbreite von 50 % der Wert noch immer über der Höchstmenge liegt.

 

Insgesamt wurden 1135 Höchstmengenüberschreitungen festgestellt. Nach Berücksichtigung einer "erweiterten Ergebnisunsicherheit" von 50 % (nach Dokument SANCO/2007/3131 Method Validation and Quality Control Procedures for Pesticide Residue Analysis in Food and Feed) wären nur 595 der Überschreitungen zu beanstanden. Das heißt, dass bei 48 % der Höchstmengenüberschreitungen der Rückstandsgehalt nach Abzug des Streubereiches unter der Höchstmenge lag. Die Wirkstoffe, bei denen am häufigsten Höchstmengenüberschreitungen gefunden wurden, sind in Tabelle 6 zusammengefasst.

Tabelle 6: Wirkstoffe mit den häufigsten Höchstmengenüberschreitungen 2006
Wirkstoff

Anzahl der

untersuchten

Proben

Anzahl der Proben mit Rückständen über der

Höchstmenge

Acetamiprid*1125259
Carbendazim, Summe1177447
Dimethoat, Summe1456250
Acrinathrin*1305939
Bromid, Gesamt*93533
Lufenuron*929539
DTC, berechnet als CS2209835
Imidacloprid*1162337
Chlorpyrifos1274625
Propamocarb*1043231

* für diese Wirkstoffe galt eine nationale (deutsche) Höchstmenge (noch nicht harmonisiert)

 

Diese zehn aufgeführten Wirkstoffe waren für 34,9% (396 von 1135) aller Höchstmengenüberschreitungen verantwortlich. Bei Wirkstoffen, für die eine noch nicht in der EU harmonisierte, nationale Höchstmenge galt, waren die Höchstmengen in den Herkunftsstaaten der Proben in der Regel höher als in Deutschland. Würde man an dieser Stelle die in den jeweiligen Herkunftstaaten geltenden Höchstmengen berücksichtigen, würde ein Großteil der Höchstmengenüberschreitungen für diese Wirkstoffe entfallen.

 

 

Auftreten von Mehrfachrückständen

 

In 7298 Proben (41,6 %)  des Jahres 2006 wurde mehr als ein Wirkstoffrückstand in quantifizierbarer Menge gefunden. Als mögliche Quellen der Mehrfachrückstände können folgende Gründe genannt werden:

  • Anwendung von Kombinationspräparaten mit mehreren Wirkstoffen,
  • Anwendung unterschiedlicher Wirkstoffe während der Wachstumsphase für die Bekämpfung verschiedener Schadorganismen,
  • gezielter Wirkstoffwechsel, um der Entwicklung von Resistenzen bei Schaderregern entgegen zu wirken,
  • Anwendungen auch während der Lagerung und/oder beim Transport,
  • Zusammensetzung einer Probe aus Bestandteilen unterschiedlicher Partien.

 

Ebenfalls ist es möglich, dass die gute landwirtschaftliche Praxis bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln nicht ausreichend angewendet wurde. Werden in einer Probe mehrere Pflanzenschutzmittel mit dem gleichen Wirkungsmechanismus gefunden, so liegt der Verdacht nahe, dass von Produzenten unterschiedliche Substanzen verwendet werden, um Überschreitungen der Höchstmengen für einzelne Pflanzenschutzmittel zu vermeiden.

 

Detaillierte Angaben über die Mehrfachrückstände in den einzelnen Lebensmitteln enthält die Tabelle „Anzahl der Rückstände und deren Häufigkeiten in den untersuchten Lebensmitteln“ (siehe auch Link weiter unten).



Auch bei den Mehrfachrückständen gab es Unterschiede zwischen den einzelnen Obst- oder Gemüsearten. Die zehn Produkte mit den meisten Mehrfachrückständen („surveillance sampling“- Proben) sind in der Tabelle 7 dargestellt (berücksichtigt wurden Lebensmittel, bei denen mindestens 100 Proben untersucht wurden).

Tabelle 7: Lebensmittel mit den meisten Mehrfachrückständen 2006
LebensmittelAnzahl
der
Proben
Proben mit Mehrfach­rückständen in %Max. Anzahl der
Rückstände
Mandarine                 27572,712
Orange                    19260,414
Tafeltraube               96366,621
Johannisbeere             26975,514
Erdbeere                  144372,813
Stachelbeere                     10473,111
Himbeere                  14166,79
Feldsalat                   20961,79
Salat                   85558,918
Rucola                    29556,313

 

Vier der in der Tabelle 7 aufgeführten Lebensmittel waren auch unter den „Top 10“ bei den Höchstmengenüberschreitungen: Johannisbeere, Feldsalat, Himbeere und Rucola.

Für die toxikologische Bewertung von Mehrfachrückständen sind noch keine allgemein anerkannten Methoden vorhanden. Derartige Methoden werden aber zurzeit entwickelt. Bei Stoffen, die einen einheitlichen Wirkungsmechanismus haben und additiv wirken, soll eine gemeinsame Bewertung durchgeführt werden. Bei einigen wenigen Wirkstoffgruppen sind bereits Summenhöchstwerte festgelegt worden. Bei Stoffen mit unterschiedlichen Wirkungsmechanismen sollen potentielle Wechselwirkungen analysiert werden. Eine detaillierte Prüfung wird aber schwierig sein, weil die gefundenen Mehrfachrückstände aufgrund der Vielzahl eingesetzter Wirkstoffe sehr unterschiedliche Zusammensetzungen haben.

Das Thema „Mehrfachrückstände“ wurde umfangreich im November 2005 bei dem „Zweiten Forum Verbraucherschutz“ im Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) diskutiert. Alle Beiträge dieses Forums stehen auf der Homepagehen hier online zur Verfügung.


Abschließend sei darauf hingewiesen, dass die Auswertungen der Daten für den Bericht an die Europäische Kommission nach den Vorgaben des „Guidance for Reporting the Results of the 2006 National and Community Monitoring Programmes to the European Commission“ vom 2. April 2007 durchgeführt wurden.


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