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Nationale Berichterstattung Pflanzenschutzmittelrückstände in Lebensmitteln 2011

Zusammenfassung der Ergebnisse des Jahres 2011 aus der Bundesrepublik Deutschland

Hintergrund

Dieser Bericht fasst die Ergebnisse der in Deutschland im Jahr 2011 an Lebensmitteln pflanzlichen und tierischen Ursprungs sowie an Säuglings- und Kleinkindernahrung durchgeführten Untersuchungen auf Pflanzenschutzmittelrückstände zusammen. Er beinhaltet auch die Ergebnisse des auf die Verordnung (EG) Nr. 396/2005 gestützten mehrjährigen koordinierten Kontrollprogramms der Europäischen Union, welches der Gewährleistung der Einhaltung der Höchstgehalte an Pestizidrückständen in oder auf Lebensmitteln pflanzlichen und tierischen Ursprungs sowie der Bewertung der Verbraucherexposition mit Pestizidrückständen über die Nahrung dient. Die im Rahmen dieses Programms zu untersuchenden Lebensmittel und Wirkstoffe wurden in der Verordnung (EG) Nr. 915/2010 der Kommission vom 12. Oktober 2010 bekanntgegeben.

Dementsprechend wurden im vorliegenden Bericht alle Daten von Erzeugnissen mit einer Probenahme vom 01. Januar bis zum 31. Dezember 2011 berücksichtigt, die dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) von den Untersuchungseinrichtungen der amtlichen Lebensmittel- und Veterinärüberwachung der 16 Länder gemeldet wurden. Insgesamt beteiligten sich im Jahr 2011 28 Untersuchungsämter an der Datenübermittlung, welche alle nach ISO 17025 akkreditiert sind und ihre Leistungsfähigkeit durch regelmäßige Teilnahme an nationalen und / oder internationalen Ringversuchen nachweisen.

Die detaillierten Tabellen zu den hier beschriebenen Auswertungen finden sich unter dem Link "Tabellen zur Nationalen Berichterstattung Pflanzenschutzmittelrückstände in Lebensmitteln 2011" am Ende dieses Berichtes.

Daten- und Probenumfang

Im Jahr 2011 wurden in der Bundesrepublik Deutschland durch die amtliche Lebensmittelüberwachung der Länder insgesamt 17.157 Lebensmittelproben auf das Vorkommen von Pflanzenschutzmittelrückständen untersucht. Im Vergleich zum Berichtsjahr 2010 (17.585 Proben) sind 2,4 % weniger Proben untersucht worden.

Von den 17.157 Proben wurden 4.253 Proben im Rahmen des Monitorings und 12.904 Proben im Rahmen der amtlichen Lebensmittelüberwachung gezogen. Die Unterscheidung in diese zwei Ansätze der Probenahme liegt an der unterschiedlichen Zielsetzung. Während das Monitoring auf einer repräsentativen Probenahme basiert und die Ermittlung der Verbraucherexposition zum Ziel hat, erfolgt die Probenahme bei der amtlichen Lebensmittelüberwachung risikoorientiert und dient der Überprüfung der Einhaltung von Rechtsvorschriften, insbesondere der geltenden Rückstandshöchstgehalte.

Für die Berichterstattung an die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und die Europäische Kommission werden die Proben in "surveillance sampling" und "follow-up enforcement sampling" unterteilt. Als "surveillance"-Proben bezeichnet man dabei die Plan- und die Monitoring-Proben, während Verdachts-, Beschwerde- und Verfolgsproben unter der Bezeichnung "follow-up enforcement sampling"-Proben zusammengefasst werden.

Von den 17.157 Proben des Berichtsjahres fallen insgesamt 16.661 Proben in die Kategorie "surveillance sampling" und 496 Proben in die Kategorie "follow-up enforcement sampling". Die Lebensmittel des mehrjährigen koordinierten Kontrollprogramms der Europäischen Union umfassten im Jahr 2011 1946 Proben. Diese Proben sind Teil der Monitoring-Proben.
Die an die EFSA übermittelten Daten und Berichte der einzelnen Mitgliedstaaten werden von der EFSA ausgewertet und zu einem europäischen Gesamtbericht zusammengefasst und veröffentlicht.

Die für das Berichtsjahr 2011 von den Bundesländern übermittelten Daten verteilen sich auf insgesamt 177 verschiedene Lebensmittel, wobei die Anzahl der Proben pro Lebensmittel stark variiert. So reichte die Spanne von einer Probe bis zu 896 Proben pro Erzeugnis. Die Verteilung der Probenzahlen ist in der Tabelle 1 dargestellt.

Tabelle 1: Verteilung der Anzahl untersuchter Proben pro Lebensmittel im Jahr 2011
Anzahl der ProbenAnzahl der Lebensmittel
> 5007
100 – 49940
50 – 9926
30 – 4914
10 – 2933
1 – 957


Die am häufigsten untersuchen Lebensmittel mit mehr als 500 Proben je Erzeugnis waren Erdbeeren (896 Proben), Paprika (775), Tafeltrauben (696 Proben), Kartoffeln (599 Proben), Äpfel (582 Proben), Tomaten (565 Proben) und Orangen (502 Proben).

Von den insgesamt 17.157 Proben, die in Deutschland gezogen und untersucht wurden, stammten 6.924 der beprobten Erzeugnisse aus Deutschland, 5.255 aus anderen EU-Mitgliedstaaten und 3.487 aus Drittländern. Für 1.491 Proben wurden keine Angaben zur Herkunft übermittelt.

Die Erzeugnisse nicht deutscher Herkunft verteilten sich auf 84 Staaten. Hiervon stammten die Hälfte der Erzeugnisse aus den EU-Ländern Spanien (2.282 Proben), Italien (1.311 Proben) und den Niederlanden (767 Proben), gefolgt von Südafrika (427 Proben), der Türkei (361 Proben), China (336 Proben) und Frankreich (331 Proben).

Über die Hälfte der untersuchten Proben (56,4 %) wurden im Jahr 2011 im Lebensmitteleinzelhandel gezogen. Fast ein Viertel (21,3 %) stammte von Großhändlern sowie Im- und Exporteuren. Die Probenahme erfolgte in 8,1 % der Fälle unmittelbar beim Erzeuger, während 3,1 % der Proben beim Hersteller und Abpacker und 0,4 % bei Dienstleistungsbetrieben genommen wurden. Bei 9,0 % der Proben lagen keine Angaben zur Betriebsart vor.

Rückstandshöchstgehalte von Pflanzenschutzmitteln

Der "Rückstandshöchstgehalt" (RHG) ist die höchste zulässige Menge eines Pestizidrückstands in oder auf Lebens- oder Futtermitteln, der für jede Kombination von Erzeugnis und Wirkstoff einzeln festgelegt wird. Innerhalb der EU erfolgt die Festsetzung von Rückstandshöchstgehalten in einem Gemeinschaftsverfahren. Bei der Festsetzung werden sowohl Daten zur Toxikologie und zur Verzehrsmenge als auch Daten zur guten landwirtschaftlichen Praxis (GAP) berücksichtigt. Es handelt sich also um die Menge an Pflanzenschutzmittelrückständen, die bei ordnungsgemäßer Anwendung durch den Landwirt für die jeweilige Kultur nicht überschritten werden sollte. Dementsprechend stellen Rückstandshöchstgehalte in der Regel keine toxikologisch begründeten, gesundheitlich relevanten Grenzwerte dar, sondern Werte zur Regelung der Verkehrsfähigkeit eines Erzeugnisses. Das heißt, dass Lebensmittel, deren Rückstandsgehalte über dem gesetzlichen Rückstandshöchstgehalt liegen, nicht verkehrsfähig sind und folglich nicht im Handel angeboten werden dürfen. Dies ist aber in den meisten Fällen nicht mit einer Gefährdung der menschlichen Gesundheit gleichzusetzen.

Wird bei einem Erzeugnis eine Rückstandshöchstgehaltsüberschreitung festgestellt, schätzt die zuständige Überwachungsbehörde das für den Verbraucher ausgehende toxikologische Risiko ab. Konkret wird im Fall von Pflanzenschutzmittelrückständen in Lebensmitteln geprüft, ob die gefundenen Gehalte über der akuten Referenzdosis (ARfD) oder der duldbaren täglichen Aufnahmemenge (ADI = Acceptable Daily Intake) liegen.

Die akute Referenzdosis (ARfD) ist dabei definiert als diejenige Substanzmenge, die über die Nahrung innerhalb eines Tages oder mit einer Mahlzeit ohne erkennbares gesundheitliches Risiko für den Menschen aufgenommen werden kann. Der ADI gibt die Menge eines Stoffes an, die ein Mensch täglich lebenslang ohne erkennbares gesundheitliches Risiko aufnehmen kann.
Wenn im Falle einer Überschreitung der ARfD bzw. des ADI eine Gefährdung des Verbrauchers nicht ausgeschlossen werden kann, so wird eine Meldung an das Europäische Schnellwarnsystem für Lebensmittel und Futtermittel (RASFF) übermittelt. Hierzu sind alle Mitgliedstaaten der EU gemäß Artikel 50 Abs. 2 der Verordnung (EG) Nr. 178/2002 (Basisverordnung) verpflichtet, wenn von einem Lebensmittel (oder Futtermittel) ein ernstes unmittelbares oder mittelbares Risiko für die menschliche Gesundheit ausgeht.

Im Jahr 2011 wurden von Deutschland insgesamt 415 Meldungen (111 Warnmeldungen, 155 Informationsmeldungen und 149 Grenzzurückweisungen) zu Lebens- und Futtermitteln an das Schnellwarnsystem übermittelt. 44 Meldungen waren auf Pflanzenschutzmittelrückstände in Lebensmitteln zurückzuführen, hiervon stellten 3 Warnmeldungen (Alert Notifications) dar.

Lebensmittelbezogene Betrachtung

Von den 16.661 untersuchten "surveillance sampling"-Proben enthielten 6.625 (39,8 %) keine quantifizierbaren Rückstände. Im Vergleich zum Vorjahr ist damit der Anteil an Proben ohne Rückstände um 1,6 % gesunken (2010: 41,4%). In 10.036 Proben (60,2 %) traten im Jahr 2011 Rückstände auf. Davon wiesen 457 Proben (2,7 %) Überschreitungen der geltenden Rückstandshöchstgehalte auf, und von diesen wiederum wurden 268 Proben (1,6 %) beanstandet.

Die Belastung der "follow-up enforcement sampling"-Proben ist in der Regel höher als die der "surveillance sampling"-Proben, da diese Proben aufgrund konkreter Verdachtsmomente gezogen werden. Im Jahr 2011 wurden aber nur in 245 (49,4 %) dieser Proben Rückstände gefunden. Im Jahr 2010 lag hier der Anteil bei 68,9 %. Allerdings wurden im Jahr 2011 in 35 "follow-up enforcement sampling"-Proben (7,1 %) Rückstände oberhalb der geltenden Rückstandshöchstgehalte bestimmt und 26 (5,2 %) davon beanstandet.

Die Differenz zwischen der Anzahl der Proben mit einer Rückstandshöchstgehaltsüberschreitung und der Anzahl der beanstandeten Proben resultiert daraus, dass bei der Beanstandung einer Probe auch die analytischen Messunsicherheiten berücksichtigt werden müssen. Deshalb erfolgt eine Beanstandung in der Regel erst, wenn auch nach Abzug einer sogenannten "erweiterten Ergebnisunsicherheit" der Wert noch über dem entsprechenden Rückstandshöchstgehalt liegt. Diese erweiterte Ergebnisunsicherheit beträgt in der Regel 50 % gemäß des Dokumentes SANCO/10684/2009 "Method Validation and Quality Control Procedures for Pesticide Residue Analysis in Food and Feed".

Wie bereits in den Vorjahren wurde auch im Jahr 2011 eine gesonderte Auswertung der insgesamt 1.419 "surveillance sampling"- und "follow-up enforcement sampling"-Proben (8,3 %) aus ökologischem Anbau durchgeführt. Die Belastung dieser Proben war deutlich niedriger verglichen mit der der Probengesamtheit. So enthielten von den untersuchten Bio-Proben 1.166 (82,2 %) keine quantifizierbaren Rückstände. In 253 (17,8 %) der Proben traten Rückstände mit meistens sehr geringen Gehalten (im Spurenbereich) auf. Bei diesen Rückständen im Spurenbereich handelt es sich vor allem um die persistenten und praktisch ubiquitär vorkommenden chlororganischen Insektizide wie DDT, HCB und Lindan. Diese dürfen in Deutschland seit langem nicht mehr angewendet werden. Altlasten, vor allem im Boden, führen aber immer noch zu nachweisbaren Rückständen in den entsprechenden Lebensmitteln.

Bei 11 Bio-Proben (0,8 %) lagen die gefundenen Rückstände über den Rückstandshöchstgehalten für konventionell erzeugte Lebensmittel. Beanstandet wurden davon 7 Proben (0,5 %). Die für ökologische Erzeugnisse vergleichsweise große Anzahl an Überschreitungen des Rückstandhöchstgehaltes und an beanstandeten Proben betraf vornehmlich getrocknete Linsen (4 Beanstandungen). Getrocknete Linsen wurden im Jahr 2011 verstärkt beprobt, nachdem überhöhte Rückstandsgehalte von Glyphosat festgestellt worden waren. (Weitere Details zu Glyphosat in getrockneten Linsen siehe Text unten.)

Bei der Betrachtung dieser Auswertungen muss berücksichtigt werden, dass sie größtenteils auf risikoorientiert gezogenen Proben basieren. D. h., Lebensmittel, die in der Vergangenheit auffällig geworden sind, werden häufiger und mit höheren Probenzahlen untersucht als solche, bei denen man aus Erfahrung keine erhöhte Rückstandsbelastung erwartet. Aus diesem Grund erlauben die oben dargestellten Ergebnisse keinen Rückschluss auf die Belastung der Gesamtheit der auf dem Markt befindlichen Lebensmittel.

Die Tabelle 2 enthält eine Übersicht über die "surveillance sampling"-Proben 2011, ausgewertet nach einzelnen Lebensmittelgruppen.

Tabelle 2: Gesamtübersicht über die Ergebnisse des Jahres 2011 ("surveillance sampling"-Proben)
LebensmittelgruppenProben gesamtProben ohne Rückstände (nicht quantifizierbar)Proben mit RückständenProben mit Rückständen über dem RückstandshöchstgehaltProben mit Rückständen über dem Rückstandshöchstgehalt -beanstandet-
Getreide476317
(66,6 %)
159
(33,5 %)
5
(1,1 %)
1
(0,2 %)
Säuglings- und Kleinkindernahrung251241
(96,0 %)
10
(4,0 %)
0
(0,0 %)
0
(0,0 %)
Verarbeitete Lebensmittel329187
(56,8 %)
142
(43,2 %)
0
(0,0 %)
0
(0,0 %)
Lebensmittel tierischen Ursprungs1.047674
(64,4 %)
373
(35,6 %)
2
(0,2 %)
0
(0,0 %)
Obst, Gemüse und andere pflanzliche Erzeugnisse14.5585.206
(35,8 %)
9.352
(64,2 %)
450
(3,1 %)
267
(1,8 %)
Gesamt16.6616.625
(39,8 %)
10.036
(60,2 %)
457
(2,7 %)
268
(1,6 %)


Bei Getreide wurden in 66,6 % der Proben keine quantifizierbaren Rückstände nachgewiesen. Im Vergleich zu den Vorjahren hat sich der Anteil an Proben ohne quantifizierbare Rückstände damit leicht erhöht (2009 und 2010 jeweils knapp 65 %).

Wie aus Tabelle 2 hervorgeht, wiesen 96,0 % der untersuchten Proben von Säuglings- und Kleinkindernahrung keine quantifizierbaren Rückstände auf. Nur in 4,0 % der Proben wurden Rückstände nachgewiesen. Keine Probe wies Rückstände über dem Rückstandshöchstgehalt auf, dementsprechend gab es auch keine Beanstandungen. Dieses Ergebnis ist insofern bemerkenswert, da im Jahr 2010 in nur 82,6 % der Proben keine Rückstände nachgewiesen wurden.

Entsprechend wie bei Lebensmitteln aus ökologischem Anbau wurden in den Proben, die Rückstände enthielten, vor allem Spuren von persistenten und praktisch ubiquitär vorkommenden chlororganischen Insektiziden nachgewiesen.

In der Gruppe der verarbeiteten Lebensmittel wurden in 56,8 % der Proben keine quantifizierbaren Rückstände nachgewiesen. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Anteil an Proben ohne nachweisbare Rückstände damit um 6,5 % gesunken (2010: 63,3 %). Positiv zu werten ist jedoch, dass es keine Proben mit Rückständen über dem Rückstandshöchstgehalt und damit keine Beanstandungen gab.

Anzumerken ist, dass die Lebensmittelgruppe "verarbeitete Lebensmittel" die Schwierigkeit aufweist, dass die Rückstandshöchstgehalte in der Regel für frische Erzeugnisse bzw. unverarbeitete Rohprodukte festgesetzt werden und bei der Beurteilung von verarbeiteten Lebensmitteln dementsprechend Verarbeitungsfaktoren berücksichtigt werden müssen.

Der Anteil an Proben von Lebensmitteln tierischen Ursprungs, in denen keine quantifizierbaren Rückstände identifiziert wurden, ist mit 64,4 % im Vergleich zum Jahr 2010 mit 65,7 % leicht rückläufig. Allerdings wurden nur bei 0,2 % der Proben Rückstandshöchstgehalte überschritten; Beanstandungen gab es keine.

In den Proben, die Rückstände enthielten, wurden in der Regel Spuren von persistenten und praktisch ubiquitär vorkommenden chlororganischen Insektiziden wie DDT, HCB und Lindan nachgewiesen.

Bei Obst, Gemüse und andere pflanzliche Erzeugnisse, der Lebensmittelgruppe mit den meisten Proben (14.558 Proben), findet sich mit 64,2 % der mit Abstand weitaus größte Anteil von mit Rückständen belasteten Proben. Aufgrund der Vielzahl unterschiedlicher pflanzlicher Erzeugnisse ist die Spannbreite von Lebensmitteln, bei denen es keine oder nur wenige Überschreitungen und Beanstandungen gab, bis hin zu einem Erzeugnis (Linsen, getrocknet), bei dem jede fünfte Probe beanstandet wurde, sehr groß. Erfreulicherweise traten aber gerade bei vielen Lebensmitteln, deren Verzehr besonders hoch ist, wie beispielsweise Kartoffeln, Karotten, Bananen und Tomaten, nur wenige Rückstandshöchstgehaltsüberschreitungen bzw. Beanstandungen auf.

In der Tabelle 4 sind die Lebensmittel zusammengefasst, bei denen der Anteil der beanstandeten Proben unter einem Prozent lag und von denen mindestens 100 Proben untersucht wurden.

Tabelle 4: Obst und Gemüse mit den wenigsten
Beanstandungen im Jahr 2011
LebensmittelAnzahl der
untersuchten Proben
Proben mit Rückständen über
dem Rückstandshöchstgehalt
-beanstandet- in % 
Kartoffeln5930,0
Karotten4310,0
Mandarinen4150,0
Spargel3390,0
Pflaumen3080,0
Kürbis1950,0
Bananen1560,0
Kulturpilze1530,0
Kiwi1510,0
Auberginen1340,0
Kopfkohl1260,0
Heidelbeeren1010,0
Erdbeeren8820,2
Birnen4870,2
Kirschen3230,3
Äpfel5560,4
Orangen4930,4
Brombeeren2050,5
Tafeltrauben6800,7
Tomaten5530,7
Zitronen2820,7
Aprikosen1510,7
Erdnüsse1470,7
Mangos1380,7
Kraussalat
(Breitblättrige Endivie)
1360,7
Pfirsiche3410,9


In anderen Obst- und Gemüsesorten wurden hingegen wesentlich mehr Rückstandshöchstgehaltsüberschreitungen beobachtet. Die zehn Lebensmittel, die im Jahr 2011 prozentual am häufigsten beanstandet wurden, sind in Tabelle 5 dargestellt. Auch hier wurden nur Erzeugnisse berücksichtigt, von denen mindestens 100 Proben untersucht wurden.

Tabelle 5: Obst und Gemüse mit den meisten
Beanstandungen im Jahr 2011
LebensmittelAnzahl der
untersuchten Proben
Proben mit Rückständen über
dem Rückstandshöchstgehalt
-beanstandet- in %
Linsen (getrocknet)12020,8
Frische Kräuter3737,8
Paprika6325,5
Spinat2924,1
Grapefruit, Pomelo2752,9
Bohnen (mit Hülsen)2962,4
Feldsalat2402,1
Gurken3741,6
Himbeeren1371,5
Tee1401,4


Die Liste der am häufigsten beanstandeten Lebensmittelmittel wird im Jahr 2011 von getrockneten Linsen angeführt.

Getrocknete Linsen fielen Anfang des Jahres 2011 aufgrund von überhöhten Rückständen des Herbizides Glyphosat auf. Von den 120 untersuchten Proben wiesen 31 Proben Gehalte über dem zu dieser Zeit gültigen Rückstandshöchstgehalt von 0,1 mg/kg auf; 25 Proben wurden beanstandet.

Aufgrund eines Importantrages wurde der Rückstandshöchstgehalt von Glyphosat in Linsen mit der Verordnung (EU) Nr. 441/2012 auf 10 mg/kg angehoben. Überschreitungen des Rückstandshöchstgehaltes sind daher zukünftig nicht mehr in dem Maße zu erwarten.

Auch in getrockneten Linsen aus biologischem Anbau mit Herkunft aus der Türkei wurde Glyphosat, das im ökologischen Landbau nicht zugelassen ist, nachgewiesen. Insgesamt wurden 4 Linsenproben aus ökologischem Anbau aufgrund von Glyphosat beanstandet. Als Konsequenz wurden Vermarktungsgenehmigungen für Linsen widerrufen und Kontrollmaßnahmen verstärkt.

Wenn auch nach wie vor Frische Kräuter zu den am häufigsten beanstandeten Lebensmitteln gehören, so ist zumindest positiv zu vermerken, dass die Beanstandungsquote von 20,7 % im Jahr 2009 über 10,4 % im Jahr 2010 auf 7,8 % im Berichtsjahr 2011 gesunken ist.

Vor allem Kräuter aus Thailand und Vietnam wurden im Jahr 2011 vielfach beanstandet. Aufgrund der häufigen Überschreitungen der Rückstandshöchstgehalte sind Korianderblätter und Basilikum aus Thailand in den Anhang I der Verordnung (EG) Nr. 669/2009 aufgenommen worden und werden dadurch einer verstärkten amtlichen Kontrolle bei der Einfuhr in die Europäische Union unterzogen. Die Beanstandungsquote für Kräuter aus Deutschland lag bei 2,0 %. Hier wurde vor allem Petersilie beanstandet.

Auch bei Paprika, die Gemüsepaprika, Chilischoten und Pfefferschote/Peperoni umfassen, variiert die Beanstandungsquote je nach Herkunftsland sehr stark. Wie auch bei den "Frischen Kräutern" wurden Paprika mit Herkunft aus Thailand und Vietnam besonders häufig beanstandet. Aber auch Paprika aus Spanien fielen negativ durch Beanstandungen auf wie 3 Schnellwarnmeldungen im RASFF aufgrund von hohen Gehalten an Ethephon zeigten. Ethephon ist ein Wachstumsregulator, der unter anderem den Reifungsprozess von Früchten beschleunigt.

Ausführliche Darstellungen der Datenauswertung nach Lebensmitteln und Lebensmittelgruppen enthalten die Tabellen "Lebensmittelbezogene Darstellung – surveillance sampling", "Lebensmittelbezogene Darstellung – follow-up enforcement sampling" und "Lebensmittelbezogene Darstellung – Bio-Proben" (siehe Links am Ende des Berichtes).

Herkunftsbezogene Betrachtung

Die Belastung von Lebensmitteln mit Pflanzenschutzmittelrückständen kann in Abhängigkeit ihrer Herkunft stark variieren. So traten im Jahr 2011 bei insgesamt 1,4 % der beprobten Erzeugnisse aus Deutschland (2010: 1,0 %) und bei 1,5 % der beprobten Erzeugnisse aus anderen EU-Mitgliedstaaten (2010: 1,5 %) Überschreitungen der geltenden Rückstandshöchstgehalte auf, während dies bei 7,2 % der Proben (2010: 8,0 %) von Erzeugnissen mit Herkunft aus Drittländern der Fall war. Dem entsprach auch die Situation hinsichtlich der Beanstandungen. So wurden im Berichtsjahr 0,7 % der untersuchten deutschen wie auch der europäischen Erzeugnisse nicht deutscher Erzeugung aufgrund von Rückstandshöchstgehaltsüberschreitungen beanstandet (2010: Deutschland 0,6 %, EU: 0,7 %). Bei Lebensmitteln aus Drittländern erfolgte hingegen bei 4,6 % der Proben eine Beanstandung (2010: 5,5 %).

Für Erzeugnisse aus Deutschland ist im Vergleich zum Vorjahr eine leichte Zunahme (+0,4 %) an Proben mit Rückständen über dem Rückstandshöchstgehalt zu verzeichnen; auch der Anteil an Proben, in denen keine Rückstände nachgewiesen wurden, ist gesunken. Im Jahr 2010 waren in 51,1 % der untersuchten Erzeugnisse aus Deutschland keine quantifizierbaren Rückstände nachweisbar, während dies im Jahr 2011 nur für 47,6 % der Proben zutraf.

Als mögliche Ursachen für die höheren Rückstandshöchstgehaltsüberschreitungs- und Beanstandungsraten bei Erzeugnissen mit Herkunft aus Drittländern kommen u. a. die unterschiedliche Gesetzeslage bzw. höhere Rückstandshöchstgehalte in den einzelnen Herkunftsländern in Betracht. Die Daten aus Deutschland und den übrigen EU-Ländern zu Überschreitungen und Beanstandungen von Rückstandshöchstgehalten sind nun schon im dritten Jahr in Folge vergleichbar. Diese Angleichung lässt sich vermutlich auf die Harmonisierung der Rückstandshöchstgehalte in allen EU-Mitgliedstaaten mit dem vollständigen in Kraft treten der Verordnung (EG) Nr. 396/2005 zum 01. September 2008 zurückführen.

Der Anteil an Proben ohne quantifizierbare Rückstände ist aber nach wie vor bei Lebensmitteln aus deutscher Erzeugung am höchsten. Im Berichtsjahr 2011 wurden bei Lebensmitteln aus Deutschland in 47,6 % (2010: 51,1 %) der Proben keine Rückstände quantifiziert, während dies nur für 30,4 % (2010: 30,8 %) der untersuchten Erzeugnisse aus anderen EU-Mitgliedstaaten und 34,1 % (2010: 31,7 %) der Erzeugnisse aus Drittländern zutraf. Bei einer Bewertung solcher Prozentzahlen sollten stets aber auch die klimatischen Bedingungen der jeweiligen Herkunftsländer berücksichtigt werden, die teilweise einen stärkeren Einsatz von Pestiziden zum Schutz der Pflanzen erforderlich machen können.

Eine detaillierte Auswertung der Rückstandsgehalte der einzelnen Lebensmittel in Abhängigkeit des Herkunftslandes findet sich in der Tabelle "Lebensmittel- und herkunftsbezogene Darstellung" (siehe Link am Ende des Berichtes).

Wirkstoffbezogene Betrachtung

Zu den im Jahr 2011 untersuchten 17.157 Lebensmittelproben wurden insgesamt 5.423.227 einzelne Analysenergebnisse zu 856 verschiedenen Wirkstoffen (ausgenommen Metabolite und Isomere) erhoben. Es wurde aber keine Probe auf das gesamte Stoffspektrum untersucht. Während die Analyse auf manche Substanzen nur bei einzelnen oder wenigen Proben erfolgte, wurden 247 Wirkstoffe in mehr als 10.000 Proben untersucht. Bei 456 Wirkstoffen betrug die Anzahl der auf ihr Vorkommen analysierten Proben zwischen 1.000 und 9.999 und bei 153 Wirkstoffen wurden weniger als 1.000 Proben untersucht. Der Durchschnitt lag im Jahr 2011 bei 316 Wirkstoffen pro Lebensmittelprobe. Dabei wurden zu 495 Wirkstoffen (57,8 %) keine quantifizierbaren Gehalte gefunden bzw. 361 Wirkstoffe (42,2 %) in mindestens einer Probe nachgewiesen. Insgesamt traten bei 144 Wirkstoffen (16,8 %) Gehalte oberhalb der geltenden Rückstandshöchstgehalte auf, die bei 104 Wirkstoffen (12,2 %) zur Beanstandung der jeweiligen Probe führten. Tabelle 6 fasst diese Angaben unterteilt nach den einzelnen Lebensmittelgruppen zusammen.

Tabelle 6: Gesamtübersicht über die im Jahr 2011 untersuchten Wirkstoffe
nach Lebensmittelgruppen
LebensmittelgruppenAnzahl der unter-suchten WirkstoffeAnzahl der Wirkstoffe ohne quantifizierbare RückständeAnzahl der Wirkstoffe mit quantifizierbaren Rückständen
Getreide77073535
Säuglings- und Kleinkindernahrung7137049
Verarbeitete Lebensmittel78672660
Lebensmittel tierischen Ursprungs55052624
Obst, Gemüse und andere pflanzliche Erzeugnisse820476344
Gesamt856495361


Eine vollständige Aufstellung der im Jahr 2011 analysierten Wirkstoffe enthält die Tabelle "Zusammenfassende Übersicht über die Anzahl der Untersuchungen, der Rückstände, der Rückstandshöchstgehaltsüberschreitungen und der Beanstandungen für die einzelnen Wirkstoffe" (siehe Link am Ende des Berichtes).

Insgesamt wurden im Berichtsjahr 651 Rückstandshöchstgehaltsüberschreitungen festgestellt. Diese führten in 386 Fällen zu Beanstandungen der betroffenen Lebensmittelproben.

Wirkstoffe, die besonders häufig, das heißt aufgrund von 10 und mehr Höchstgehaltsüberschreitungen beanstandeten wurden bzw. eine Beanstandungsquote von größer als 0,08 % aufwiesen, sind in Tabelle 7 zusammengestellt.

Auf diese neun Wirkstoffe entfielen mit 44,0 % (170 von 386) fast die Hälfe aller Beanstandungen insgesamt. Bei den übrigen 95 Wirkstoffen, die aufgrund von Höchstgehaltsüberschreitungen beanstandet wurden, lag die Zahl der Beanstandungen je Wirkstoff zwischen 1 und 9 bzw. die Beanstandungsquote war kleiner als 0,08 %.

Wirkstoffe, die bezogen auf die Anzahl untersuchten Proben besonders häufig beanstandet wurden, sind Glyphosat mit einer Beanstandungsquote von 2,79 % (31 von 1112 Proben), Ethephon mit einer Beanstandungsquote von 0,84 % (23 von 2724) und Dithiocarbamate mit einer Beanstandungsquote von 0,59 % (13 von 2185).

Tabelle 7: Wirkstoffe mit der höchsten Beanstandungsquote in Prozent im Jahr 2011
WirkstoffAnzahl der untersuchten ProbenAnzahl der Proben mit Rückständen über dem RückstandshöchstgehaltAnzahl der Proben mit Rückständen über dem Rückstandshöchstgehalt -beanstandet-Beanstandungsquote in % (Zahl der beanstandeten Proben bezogen auf die Zahl der untersuchten Proben)
Glyphosat1.11235312,79 %
Ethephon2.72432230,84 %
Dithiocarbamate2.18516130,59 %
Dimethoat, Summe aus Omethoat und Dimethoat15.34758400,26 %
Bromid (gesamt, auch aus bromhaltigen Begasungsmitteln)1.427420,14 %
Carbendazim, Summe aus Benomyl und Carbendazim14.33031190,13 %
Hexaconazol15.28725170,11 %
Chlorpyrifos15.19028130,09 %
Acetamiprid15.09919120,08 %


Bereits im Vorjahr zählten die Wirkstoffe Dimethoat, Bromid, Carbendazim, Chlorpyrifos und Acetamiprid zu den am häufigsten beanstandeten Wirkstoffen.

Eine Liste der untersuchten Lebensmittel-Wirkstoff-Kombinationen, bei denen in mindestens einer Probe quantifizierbare Rückstände gefunden wurden, befindet sich in der Tabelle "Darstellung der Lebensmittel-Wirkstoff-Kombinationen mit quantifizierten Rückständen" (siehe Link am Ende des Berichtes).

Auftreten von Mehrfachrückständen

In 6.991 von 17.157 Proben (40,7 %) des Jahres 2011 wurde mehr als ein Wirkstoffrückstand in quantifizierbarer Menge nachgewiesen. In Abbildung 1 ist die prozentuale Verteilung an Proben in Abhängigkeit der Anzahl quantifizierter Rückstände dargestellt.

Dieses Balkendiagramm zeigt den Anteil der Proben ohne Rückstände bzw. mit Rückständen von 1 bis >10 unterschiedlichen Wirkstoffen in Prozent.Abbildung 1: Anteil der Proben ohne Rückstände bzw. mit Rückständen von 1 bis >10 unterschiedlichen Wirkstoffen in Prozent © BVL

Für das Auftreten dieser Mehrfachrückstände ist grundsätzlich eine Vielzahl von Ursachen denkbar. Neben der Anwendung unterschiedlicher Wirkstoffe während der Wachstumsphase zur Bekämpfung verschiedener Schadorganismen können sie beispielsweise auf die Anwendung von Kombinationspräparaten mit mehreren Wirkstoffen oder einen gezielten Wirkstoffwechsel zur Vermeidung der Entwicklung von Resistenzen bei Schaderregern zurückzuführen sein. Auch während der Lagerung und / oder beim Transport ist eine weitere Anwendung bzw. eine Übertragung von kontaminierten Transportbehältern oder Förderbändern möglich. Geringe Wirkstoffrückstände können von vorangegangenen Anwendungen oder durch Abdrift bei Pflanzenschutzmaßnahmen von benachbarten Feldern stammen. Des Weiteren setzen sich manche Proben aus Partien von verschiedenen Erzeugern zusammen, die unterschiedliche Wirkstoffe angewendet haben. Darüber hinaus kann auch eine nicht ausreichende Umsetzung der guten landwirtschaftlichen Praxis bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln nicht immer ausgeschlossen werden.

Auch im Jahr 2011 gab es bezüglich der Mehrfachrückstände Unterschiede zwischen den einzelnen Obst- und Gemüsesorten. Die Erzeugnisse ("surveillance sampling"-Proben), von denen mindestens 100 Proben untersucht wurden und bei denen in mehr als 50 % der Proben Mehrfachrückstände auftraten, finden sich in Tabelle 8.

Tabelle 8: Lebensmittel mit den prozentual meisten Mehrfachrückständen
im Jahr 2011
LebensmittelAnzahl der unter-
suchten Proben
Anteil der Proben mit
Mehrfachrückständen in %
Maximale Anzahl
an Rückständen
Johannisbeeren27887,112
Tafeltrauben68074,723
Erdbeeren88270,112
Brombeeren20568,810
Kirschen32367,211
Orangen49365,710
Himbeeren13764,213
Feldsalat24064,27
Mandarinen41564,113
Kraussalat13664,010
Aprikosen15163,615
Birnen48763,513
Zitronen28259,613
Grapefruit, Pomelo27558,912
Pfirsiche34158,714
Äpfel55656,113


Bereits im Jahr 2010 fielen Johannisbeeren, Äpfel, Aprikosen, Birnen, Erdbeeren, Grapefruits/ Pomelos, Himbeeren, Kirschen, Mandarinen, Orangen, Pfirsiche, Tafeltrauben und Zitronen durch einen hohen Anteil an Proben mit Mehrfachrückständen auf.

Konzepte zur routinemäßigen Berücksichtigung von Mehrfachrückständen sowohl in der Bewertung als auch bei der Festsetzung der Rückstandshöchstgehalte sind derzeit noch durch die EFSA in Zusammenarbeit mit den nationalen Behörden der EU-Mitgliedstaaten in der Entwicklung. Eine Beurteilung von Mehrfachrückständen ist daher derzeit nicht möglich.

Detaillierte Angaben über die Mehrfachrückstände in den einzelnen Lebensmitteln beinhaltet die Tabelle "Anzahl der Rückstände und deren Häufigkeiten in den untersuchten Lebensmitteln" (siehe Link am Ende des Berichtes).

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