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Hintergrundinformation: Zulassungen für neonikotinoidhaltige Pflanzenschutzmittel für Maissaatgut ruhen weiter

Wirkung von Guttationswasser wird weiter untersucht

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) lässt die Zulassungen von Pflanzenschutzmitteln mit Wirkstoffen aus der Gruppe der Neonikotinoide zur Behandlung von Maissaatgut weiterhin ruhen. Die Wirkstoffe Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam stehen deshalb als Maisbeizung für die Saison 2010 nicht zur Verfügung.

Das Ruhen war 2008 angeordnet worden, nachdem die Aussaat von Mais, der mit Clothianidin behandelt war, gravierende Bienenschäden in Süddeutschland verursacht hatte. Eine Belastung von Bienen nach einer Saatgutbehandlung ist auf zwei Wegen möglich. Zum einen kann Abrieb von der Oberfläche der Körner bei der Aussaat als Staub in die Umgebung gelangen; dies war die Ursache für die Bienenschäden im Jahr 2008. Zum anderen können Wirkstoffrückstände in Flüssigkeitströpfchen gelangen, die von Pflanzen abgegeben werden, dem so genannten Guttationswasser. Während es inzwischen technische Maßnahmen gibt, mit denen sich die Staubabdrift so vermindern lässt, dass Bienen nicht gefährdet werden, gibt es bezüglich der Guttation noch offene Fragen, die einem Aufheben des Ruhens entgegenstehen.

Stäube von behandeltem Saatgut

Bei Raps ist inzwischen durch eine Optimierung der Prozess- und Produktqualität bei der Beizung und durch eine Zertifizierung der Beizstellen erreicht worden, dass das Saatgut den niedrigen Abriebgrenzwert von 0,5 g/700.000 Korn einhält. 2009 wurde dieses Konzept in Zusammenarbeit mit dem Julius Kühn-Institut und dem Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter in der Praxis erfolgreich erprobt. Außerdem kommen zur Aussaat nur Geräte zum Einsatz, die technisch nicht vermeidbare Stäube auf oder in den Boden ableiten. Dieses Konzept soll auch auf Mais und weitere Fruchtarten übertragen werden.

Guttation von Kulturpflanzen

Verschiedene Studien aus dem Jahr 2009 zeigen einen Übergang bestimmter systemischer Beizmittelwirkstoffe in Guttationstropfen. Pflanzen scheiden bei der Guttation Wasser durch spezielle Spaltöffnungen an den Blatträndern bzw. -spitzen aus. Guttation wurde bei Mais und anderen Gräsern sowie weiteren Kulturen wie Raps und Zuckerrübe aber auch Ackerkräutern beobachtet. Unter Freilandbedingungen ist Guttation überwiegend in den frühen Morgenstunden zu sehen. Während die bisher nachgewiesenen Wirkstoffkonzentrationen von Neonikotinoiden in Nektar und Pollen durchweg im Bereich der Nachweisgrenze und unterhalb der für Bienen als relevant angesehenen Schwellenwerte lagen, ergaben Rückstandsanalysen in den Guttationstropfen einen Wirkstoffgehalt von teilweise mehr als 1000 µg Wirkstoff pro Liter. Es kann daher nicht ausgeschlossen werden, dass der austretende Pflanzensaft bei großflächigem Anbau von gebeizten Pflanzenbeständen schädigende Auswirkungen auf Bienen entfalten kann, wenn er als Wasserquelle von Bienenvölkern in der Umgebung genutzt wird.

Zur Klärung der Relevanz dieses Expositionspfades haben die Antragsteller und das Julius Kühn-Institut im Jahr 2009 umfangreiche Untersuchungen durchgeführt. Dabei wurde unter anderem festgestellt, dass die Kulturpflanzen in der Regel während der Jungpflanzenentwicklung guttieren und dass in dieser Phase die Konzentration von Wirkstoffen über mehrere Wochen hoch ist. Betrachtet man die Häufigkeit und Dauer der Guttation, den Zeitpunkt der Guttation und die Konzentration der Wirkstoffe in den Guttationstropfen, so ergibt sich im Vergleich der verschiedenen Kulturpflanzen bei Mais das höchste Gefährdungspotential für Bienen. Deutlich geringer ist das Gefährdungspotential bei Getreide; dahinter sind Winterraps, Kartoffeln und Zuckerrüben einzuordnen.

Die Untersuchungen des Jahres 2009 deuten daraufhin, dass Bienen Guttationstropfen in der Regel in der unmittelbaren Nähe ihres Volkes suchen. Bei entsprechender Aufstellung sollten sie also frisch auflaufende Kulturpflanzen nur vergleichsweise selten besuchen. Bis jetzt hat das BVL keine Kenntnis von Bienenschäden, bei denen es konkrete Anhaltspunkte für eine Vergiftung durch Guttationstropfen gibt. Im Jahr 2010 sind weitere Untersuchungen geplant, die Aufschluss darüber geben sollen, ob Bienenvölker durch Aufnahme von Guttationstropfen geschwächt oder geschädigt werden.

Ausgabejahr
2010
Erscheinungsdatum
18.03.2010
Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit
Pressestelle • Mauerstraße 39-42 • 10117 Berlin
Telefon: 030/18444-00211 • Telefax: 030/18444-00209
E-Mail: pressestelle@bvl.bund.de • www.bvl.bund.de
Pressesprecherin
Nina Banspach (V.i.S.d.P.)

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