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Globale Netzwerke stärken - Ressourcen effizienter nutzen

BVL-Symposium beleuchtet Herausforderungen für und durch die Analytik

Wie wichtig die Analytik für die Lebensmittelqualität und Lebensmittelsicherheit ist, zeigte sich auf dem diesjährigen BVL-Symposium „Vergleichbarkeit von Messergebnissen – Analytik im Spannungsfeld globaler Warenströme“. Rund 200 Experten aus Wirtschaft, Behörden und Forschung kamen am 4. und 5. November in Berlin zusammen, um über die kommenden Herausforderungen für private und amtliche Labore zu diskutieren.

Die Analytik stehe durch Globalisierung und gesellschaftliche Entwicklungen vor neuen Herausforderungen, so Bernhard Kühnle, Abteilungsleiter im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, in seinem Grußwort. „Aber die neuen Möglichkeiten der Analytik bergen auch neue Herausforderungen für Risikobewertung und -management.“

Als größte Herausforderung für die Analytik sehen alle Beteiligten die Globalisierung des Handels. Produkte, die in Europa produziert werden, müssen nicht nur europäischen Vorschriften, sondern auch den Vorschriften in den importierenden Ländern entsprechen und umgekehrt. „Wie bekommen wir es hin, Messergebnisse international vergleichbar zu machen?“, fragte BVL-Präsident Dr. Helmut Tschiersky daher auch schon in seiner Begrüßung. „Diese zunächst sehr theoretisch klingende Frage hat eine enorme Auswirkung auf den internationalen Handel, da unterschiedliche Untersuchungsergebnisse zu Rückweisungen oder gar zur Vernichtung von Waren führen können.“

Es liegt daher sowohl im Interesse der produzierenden Firmen – insbesondere wenn sie international agieren – als auch der amtlichen Überwachung, dass mehr und mehr Analyseverfahren international harmonisiert und standardisiert werden.

Der Weg einer validierten Untersuchungsmethode aus der amtlichen Sammlung von Untersuchungsverfahren über die DIN-Ausschüsse zum CEN oder ISO hat sich nach Erfahrung aller Redner auf dem Symposium bewährt. Allerdings – so die Vertreter von privaten und amtlichen Laboren – könne man nicht immer abwarten, bis eine Methode auf europäischer oder internationaler Ebene harmonisiert sei. „Die amtliche Überwachung braucht Flexibilität“, betonte Dr. Ulrich Busch vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Um Doppelarbeit in den verschiedenen Gremien zu vermeiden, „brauchen wir globale Netzwerke, so dass nicht jedes nationale Netzwerk seinen eigenen Weg geht und das Rad neu erfindet“, betonte Dr. Petra Gowik, Leiterin der Abteilung Untersuchungen im BVL. „Vor dem Hintergrund schwindender Ressourcen müssen wir effizienter werden.“

Dr. Gerd Fricke, Leiter der Abteilung Lebensmittelsicherheit im BVL und deutscher Vertreter im Codex Alimentarius, wies in seinem Vortrag auf eine Parallelentwicklung internationaler amtlicher und privater Standards der Wirtschaft hin. Mit solchen privaten Standards, die für die Unternehmen sehr teuer werden können, entscheide die Wirtschaft, wer am internationalen Markt teilnehmen dürfe und wer nicht. Dr. Fricke plädierte deshalb „für Normung und Standards für alle als Grundlage der Analytik“.

Die Untersuchung von Lebens- und Futtermitteln ist innerhalb der Metrologie ein relativ neues Feld. Seit gut 20 Jahren werde aber verstärkt an der globalen Vergleichbarkeit und Anerkennung von Messergebnissen in der Chemie gearbeitet, erklärte Dr. Bernd Güttler von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB). Die Kernkompetenz der PTB liegt im physikalisch-technischen Bereich. Im Bereich der chemischen Parameter arbeitet sie mit Partnerinstitutionen wie dem BVL zusammen, das designiertes Institut der PTB ist.

Referenzlabore als wichtiger Baustein der Überwachung

Einen wichtigen Baustein innerhalb der amtlichen Überwachung bilden die Nationalen und Europäischen Referenzlabore, deren Aufgaben auf dem Symposium daher ausführlich beleuchtet wurden. Frank Swartenbroux von der Europäischen Kommission (DG SANTE) bezeichnete die Europäischen Referenzlabore als „rechte Hand der Kommission“, von deren Wissen man profitiere. Die EURL besitzen dabei eine koordinierende Funktion zwischen den Mitgliedstaaten. Frank Swartenbroux geht davon aus, dass diese koordinierende Funktion durch die Neuregelung der Verordnung 882/2204 noch verstärkt und um weitere Aufgabengebiete erweitert wird.

Die Referenten und Teilnehmer des Symposiums waren sich einig, dass europäische und nationale Referenzlabore sich untereinander – aber auch mit den Kontrolllaboratorien und den privaten Laboren – noch besser austauschen sollten. Ein gutes Beispiel für solch eine Vernetzung sind auch die rund 30 Arbeitsgruppen, die am BVL die amtliche Sammlung von Untersuchungsverfahren gemäß § 64 LFGB erstellen. In den Arbeitsgruppen sitzen auch Experten aus privaten Laboren, die ihre tägliche Erfahrung in die gesetzliche Validierung einbringen.

Analytik als Instrument der Antibiotikakontrolle

An den Beispielen der Kontrolle von Antibiotikarückständen und dem Resistenzmonitoring wurde aufgezeigt, welche Resultate die angewandten Instrumentarien zur Herstellung von Vergleichbarkeit erbringen. Die Überwachung, so das Fazit der Vorträge, hat sowohl einen Bedarf an exakten, aber teuren chemischen Analyseverfahren als auch an preiswerteren Standardverfahren, die schnelle Massentests ermöglichen. Das Nebeneinander der Normung von festgelegten Methoden als auch die schnelle Verfügbarkeit von neuen Methoden durch die Festlegung von Leistungskriterien wurde als erfolgsversprechender Ansatz für die Analytik gesehen.

Antibiotikarückstände werden derzeit häufig mittels Dreiplattenhemmstofftest (DPT) analysiert. Schon länger gibt es Anzeichen, dass der DPT nicht bei allen Substanzen gleich gut funktioniert und es bei unterschiedlichen Laboren zu unterschiedlichen Ergebnisse kommen kann. Ein vom BVL in Auftrag gegebenes Monitoring sollte daher die Leistungsfähigkeit des DPT überprüfen. Im Rahmen der von der Quodata GmbH in Zusammenarbeit mit drei Bundesländern durchgeführten Untersuchung wurden über 18.000 negative Hemmstofftestproben für Rind, Schwein und Kalb mit anderen chemisch-analytischen Verfahren nachuntersucht. In die Analyse flossen auch die positiven Proben ein, die routinemäßig nachuntersucht wurden. Die Untersuchung bestätigte die befürchtete eingeschränkte Leistungsfähigkeit des DPT. Außerdem zeigte sich, dass einige Substanzen mittels DPT nicht oder nur selten nachgewiesen wurden. Dr. Steffen Uhlig von der Quodata GmbH riet deshalb zu einer Optimierung des DPT und zum vermehrten Einsatz von Qualitätsinstrumenten in den Untersuchungslaboren, um eine unterschiedliche Handhabung zu vermeiden.

Die Entwicklungen von Antibiotikarückständen und –resistenzen werden am BVL seit Jahren systematisch untersucht – so durch den Nationalen Rückstandskontrollplan oder das Antibiotikaresistenzmonitoring. Das Resistenzmonitoring zeigt, dass es bei einigen Indikationen und Substanzen in den vergangenen Jahren verstärkte Resistenzentwicklungen gegeben hat.
Die Wirtschaft habe schon seit einiger Zeit eigene Initiativen ergriffen, Resistenzentwicklungen zu vermeiden, machte Dr. Hermann-Josef Nienhoff, Geschäftsführer der QS GmbH, deutlich. So gibt es seit 2012 ein für die Mitgliedsbetriebe (Ausnahme Mastrindhalter) verpflichtendes Antibiotikamonitoring. Für die Betriebe, die Schweine und Geflügel halten, sieht Dr. Nienhoff eine positive Entwicklung. „Wir sind auf dem Weg zu einem geringeren Therapieindex.“ Für problematisch hält QS jedoch die zunehmende Verwendung von für die Behandlung beim Menschen bedeutenden Antibiotikaklassen. Daher wird bei QS nun ein eigener Therapieindex für diese kritischen Antibiotika ermittelt.

Das Foto zeigt Herrn Kühnle vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft während seiner Eröffnungsrede auf dem BVL-Symposium 2015.Sieht durch die verbesserten Möglichkeiten der Analytik neue Herausforderungen auf die Risikobewertung und das Risikomanagement zukommen: Bernhard Kühnle vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. © Pflug / BVL

Das Foto zeigt des Präsidenten des BVL, Herrn Tschiersky, während seiner Eröffnungsrede auf dem BVL-Symposium 2015.Wie bekommen wir es hin, Messergebnisse international vergleichbar zu machen?«, fragte BVL-Präsident Dr. Helmut Tschiersky. © Pflug / BVL

Das Foto zeigt die Teilnehmer am Symposium 2015.Gut besucht: Rund 200 Experten kamen auf dem BVL-Symposium in Berlin zusammen, um über die neuen Herausforderungen für die Analytik zu diskutieren. © Pflug / BVL

Hintergrund:

Das Symposium »Vergleichbarkeit von Messergebnissen - Analytik im Spannungsfeld globaler Warenströme« ist Teil einer BVL-Veranstaltungsreihe. Experten tauschen sich vor einem jährlich wechselnden Themenhintergrund über die Herausforderungen des kommenden Jahres aus. Das BVL ist eine selbstständige Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und hat seinen Aufgabenschwerpunkt im gesundheitlichen Verbraucherschutz. Im BVL sind ein europäisches und acht nationale Referenzlaboratorien für bestimmte Rückstände und Kontaminanten sowie gentechnisch veränderte Organismen angesiedelt. Weiterhin ist das BVL mit der Herausgabe der Amtlichen Sammlung von Untersuchungsverfahren beauftragt. Auch das Resistenzmonitoring tierpathogener Erreger gehört zu den Aufgaben des BVL.

Mehr Informationen zum Symposium 2015 finden Sie hier.

Ausgabejahr
2015
Erscheinungsdatum
06.11.2015
Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit
Pressestelle • Mauerstraße 39-42 • 10117 Berlin
Telefon: 030/18444-00211 • Telefax: 030/18444-00209
E-Mail: pressestelle@bvl.bund.de • www.bvl.bund.de
Pressesprecherin
Nina Banspach (V.i.S.d.P.)

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